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Predigt
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Predigt am 04.12.2011
„Der Stern der Nacht“
Zweiter Advent. Die 2. Kerze brennt. Der 2. Stern an der Krippe leuchtet. Sterne - in vielen Liedern, Gedichten, Märchen werden sie besungen! Woran denken Sie, wenn Sie an den Stern, die Sterne denken? Gibt es den Stern Ihres Lebens? Den Morgenstern, den Abendstern, vielleicht sogar den Mittagsstern? Als Kind hat mich das Märchen von den Sterntalern angesprochen, von dem armen Mädchen, das bei Nacht Sterne in ihrer Schürze sammelte, die sich dann in Goldstücke verwandelten. „Püppchen, du bist mein Augenstern“ sang der immer verliebte Heranwachsende. Als es ernster wurde, schaute das junge Glück wohl auch gerne gemeinsam in den unendlichen Sternenhimmel. Das Sternbild des Orion war meistens gut zu erkennen und eignete sich zum gemeinsamen Bezugsstern. Sterne – was machten die Seefahrer ohne sie. Sterne geben die Richtung vor, geben Orientierung: Sie sind einfach aus dem Leben nicht wegzudenken. Allerdings: auch wenn sie immer da sind – richtig leuchten tun sie für uns nur in der Dunkelheit.
Was bedeuten die Sterne? Sind sie Boten für irgend etwas? So wie es im Evangelium gerade hieß: Ich sende meinen Boten vor dir her; er soll den Weg für dich bahnen. Mit solchen Fragen befasst sich seit alters her die ehrenwerte Zunft der Sterndeuter, der Astrologen. Da gab es einmal 3 von ihnen – der Evangelist Mt erzählt uns die Geschichte – irgendwo im Morgenland, im Osten, weit weg von Jerusalem, die sahen einen seltsamen Stern. Diese 3 Astrologen unterschieden sich deutlich von den Möchtegern-Astrologen, die uns heute in der bunten Regenbogen-Presse Horoskope für den Hausgebrauch und das Liebesleben anbieten. Die Astrologen, die Bibel spricht auch von „Magiern“, waren schon damals angesehene Gelehrte. Sie wirkten oft als Berater von Königen und Fürsten. Nichts ging ohne sie, nicht einmal ein Krieg wurde begonnen. Und für diese 3 Sterndeuter, von denen der Evangelist spricht, gab es offenbar nur eine Erklärung, eine Deutung für diesen neuen Wander- Stern, den sie sahen: Irgendwo musste ein König geboren werden. Und sie folgten dem Stern. Und wir wissen, wie diese Erzählung ausgeht.
Der Stern von Bethlehem – was ist aus ihm geworden? Gab es ihn überhaupt? Oder existierte er nur in der Vorstellung, in dem Glauben der 3 Weisen aus dem Morgenland? Was für einen Stern haben sie gesehen?
Wenn ich so in den Sternenhimmel schaue, in diese unendliche Weite, mit der unendlichen Zahl der Sterne und Sternsysteme – dann sehe ich vielleicht etwas, das es gar nicht mehr gibt. Es kann sein, dass der Stern, den wir jetzt sehen, schon vor Milliarden von Jahren erloschen ist. Sein Licht, das er vor vielleicht 1 Milliarde Jahre zum letzten Mal ausgestrahlt hat, ist aber immer noch unterwegs zu uns. Und das mit Lichtgeschwindigkeit, d.h. mit 1 Mrd. Km/h. Und es kann weitere Milliarden Jahre dauern, bis spätere Bewohner unsrer Erde feststellen, dass es diesen Stern gar nicht mehr gibt, dass er schon vor 1 Milliarden Jahre – das ist heute – sein letztes Licht verströmt hat. Alles klar? Es muss uns nicht klar sein, Schwestern und Brüder. Wir sind nun mal keine Einsteins. Aber diese Gedanken offenbaren: die Ausdehnung des Weltalls, des Universums, ist einfach unvorstellbar. Und doch hat nur Einer, ein Einziger all dieses in der Hand, behütet und bewahrt es: Gott. Und noch wunderbarer ist: Gott hat nicht nur die Übersicht über diesen gewaltigen Kosmos – Gott hat auch die Übersicht über uns alle, über jeden Einzelnen von uns. Jeder von uns ist ein Weltall im Kleinen, ein Mikrokosmos, auf den Gott aufpasst. Jeden Einzelnen von uns hat er in seiner Hand. Vielleicht kann man sogar sagen: Jeder von uns ist ein Stern im Weltall Gottes. „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, … ist wie ein Stern in der Dunkelheit“. Das ist übrigens auch das Thema unseres „Liturgischen Abends“ am Donnerstag Abend nach der Messe. Gottes Wort gibt Licht, gibt Orientierung, so wie der Stern über dem Meer dem Seemann Orientierung gibt. Wie orientierungslos wären wir, auch und gerade heute, wenn es Gottes Wort nicht gäbe. Manche meinen, dann wären die Menschen richtig frei, ungezwungen, könnten endlich tun, was sie wollten, wonach ihnen im Augenblick der Sinn steht. Auch auf Kosten anderer – warum eigentlich nicht? Was stört mich, wie es dem Anderen geht? Ich – ich – ich – darauf kommt es an! Ein furchtbarer Gedanke! Aber leider oft Realität. Im Augenblick erleben wir gerade an den Finanzmärkten, wohin Orientierungslosigkeit und Egoismus führen können: Keiner weiß so richtig Bescheid; Viele legen sich überhaupt keine Zügel an, leben permanent über ihre Verhältnisse, die anderen werden es schon richten, Europa im Chaos. Merkel, Schäuble, Sarkozi – bestenfalls Sternschnuppen, keine Sterne, an denen man sich orientieren kann. Papandreou, Berlusconi, der Bunga-Bunga-Stern aus Italien – Gott sei Dank sind sie erloschen. Wir Menschen brauchen Orientierung, wir brauchen Gottes Wort, wir brauchen Gott – sonst wird es dunkel. Wir brauchen Gott, so wie wir die Sterne brauchen.
Wir leben im Advent, wir warten auf die Ankunft, auf die Wiederkunft Gottes. Wir warten – und auch das Warten kann Orientierung geben. Besonders wenn es mit Gottes Wort geschieht.
(Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht Es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; Es gibt Trost, es gibt Halt, in Bedrängnis, Not und Ängsten Ist wie ein Stern in der Dunkelheit.)
Amen
Ekkehard Liesmann
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Predigt am 27.11.2011
„Der Stern der Verheißung“
In einem alten Kinderlied heißt es: „Weißt du, wie viel Sternlein stehen …“ Sterne sind nicht nur für Kinder faszinierend, sondern für jeden Menschen. Nie werde ich meine erste Sternennacht in Brasilien vergessen mit der Milchstraße, die ich zum ersten Mal sah, dem Sternbild „Kreuz des Südens“ und dem Vollmond zum Greifen nahe. Wie kaum etwas Anderes machen Sterne uns die Weite und das Geheimnisvolle unserer Welt deutlich. Sie wecken unsere Sehnsucht. Sie regen an zum Träumen und Nachdenken.
Eine um 550 in Syrien gemalte Bibelillustration (die jetzt in Wien ist) zeigt uns ABRAHAM, wie er aus der Tür seines Hauses herausgetreten ist, barfuß unter dem Himmelszelt steht – wie man früher gesagt hat – seine Hände halten ein Tuch, offen wie das Kleid vom Kind im Märchen „Sterntaler“. Und in einem Sternen-übersäten Himmel ist auf diesem alten Bibel-Bild die Hand Gottes zu sehen.
Es ist ein großartiges Bild menschlicher Erwartung des Kommenden und der Offenheit Gott gegenüber. Wie viele Nächte mag Abraham wohl zu den Sternen geschaut haben, die in jenem trockenen Wüstenklima viel deutlicher zu sehen sind als bei uns.
„Sieh doch zum Himmel hinauf und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. … So zahlreich werden deine Nachkommen sein.“ So spricht Gott dem Abraham zu.
Für uns Heutige alles andere als verheißungsvoll: Kinder so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Doch im Altertum war es die Verheißung von Zukunft schlechthin. Es war die Verheißung, dass das Alter gesichert war, dass die Familie und der Name weitergingen. Eben, dass es Zukunft gab. Nun wissen wir ja, dass Abraham ein echt hohes Alter erreicht hatte, wo nichts mehr für ihn und Sara zu erwarten war. Kein Sohn in Sicht. Und dann diese Verheißung. Ihre Erfüllung schien so fern und unerreichbar wie die Sterne am Himmel. Von wegen: gesagt – getan!
Und so hält Abram Gott auch vor: Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben; also wird mich mein Haussklave beerben. (Gen 15,3) Aber Gott hält an seiner Verheißung fest. Und Abram an der Treue zu Gott. Und das Unglaubliche – worüber Sara nur lachen konnte – geschieht: Sie bekommen einen Sohn, den Isaak.
Eine Verheißung ist natürlich nicht sofort erfüllt. Es gibt Zeiten des Wartens. Es gibt Durststrecken mit Fragen, Nöten und Zweifeln. In einem Lied zum Heiligen Geist – es ist mitten im 2. Weltkrieg entstanden – heißt es: „Seht aus der Nacht Verheißung blüht, die Hoffnung hebt sich wie ein Lied.“
Gerade in den Nächten und Dunkelheiten unseres Lebens brauchen wir eine Verheißung, die uns durchträgt, eine Hoffnung, die Mut macht.
„Sag mir, dass alles gut wird“ – dieser Wunsch wird von Kranken oder Menschen in Schwierigkeiten guten Freunden gegenüber geäußert. Und wenn dann begründet Hoffnung gemacht werden kann, ist so ein Mut-machen wie ein Stern in der Nacht. Ja, die Nähe eines lieben Menschen selbst ist ein Stern der Verheißung. Wenn alles glatt läuft, das Leben auf der Sonnenseite des Lebens verläuft, dann ist eine Verheißung nicht so entscheidend. Jedoch im Dunkeln, wenn wir nach Sinn und Ziel fragen, dann kann eine Verheißung das Leben buchstäblich verlängern – über das aktuelle „Tal der Tränen“ hinaus. Gerade im Dunkeln und in der Wüste leuchten die Sterne, nicht in der Neon-Glitzerwelt einer Großstadt. Was können konkret „Sterne der Verheißung“ sein in unserer augenblicklichen Kirchensituation, wo immer weniger Menschen wissen, was Advent bedeutet? Wo viele auch einfach nicht mehr wissen, dass Kirche kein Museum ist, wo man mit gebrannten Mandeln oder Eis reingeht. Es ist an uns, „in demütiger Selbstverständlichkeit“ – wie Bischof Felix sagt – unseren Glauben zu eröffnen. Was können „Sterne der Verheißung“ sein?
Als ich vor einiger Zeit auf der Rückfahrt war von Wesel, sah ich am Straßenrand 3 einfach gekleidete Frauen mit Rucksäcken. Es stellte sich heraus: es waren französische Ordensfrauen aus Kevelaer von einer neu gegründeten Gemeinschaft. Sie waren auf dem Weg nach Münster, um dort eine Art Straßenmission für eine Woche durchzuführen. Wie Abraham hatten sie ihr Land verlassen, um der Verheißung Gottes zu folgen, dass sie in einem einfachen Ordensleben in einem fremden Land Segen finden würden und ihn weitergeben können. Solange es solche Aufbrüche gibt, sind nicht schlagartig alle Kirchen wieder voll wie in den 50er Jahren. Aber es sind Sterne, Lichtzeichen Gottes, dass ER nicht aufgehört hat, Menschen einzuladen, den Weg Jesu als Lebensweg zu begreifen.
Thomas Gottschalk sagte neulich in einem Interview: „Unsere Generation wurde in den Glauben hinein erzogen, und die nächste muss ihn vielleicht mühsam finden.“ „Nichtsdestotrotz wird mir immer deutlicher (sagt Gottschalk), dass das Ganze hier ein Ende finden wird. Da lebt es sich besser in dem Glauben: Es ist dann nicht alles aus.“ Und er erzählte von der Begegnung mit der Familie von Samuel, dem in der Show verunglückten jungen Mann: „Die haben eine große Frömmigkeit und einen festen Glauben. Schon am Tag nach dem Unfall habe ich in der Frühe mit der Familie im Hotelzimmer ein Vaterunser gebetet. Das hat uns eine gemeinsame Ebene gegeben, ihnen in ihrer Verzweiflung, mir in der Ratlosigkeit. Da war plötzlich eine Nähe da, auch eine Art von Geborgenheit. Später habe ich auch mit Samuel gebetet, als ich ihn besucht habe.“
Stern in der Dunkelheit. Stern der Verheißung. Sicher gehen nicht alle Gebetswünsche in Erfüllung. Sicher sterben geliebte Menschen trotz aller Hoffnung auf Besserung. Und doch: Wenn wir der Verheißung Gottes glauben können, dass dieses Leben auf der Erde nicht alles ist – dann können wir trotz tiefer Erschütterung nicht tiefer fallen als in Gottes Hände. Das ist seine grundlegende Verheißung an uns.
Was Tisa von der Schulenburg, die Künstlerin und Ordensfrau aus Dorsten, einmal geschrieben hat, könnte in einer Krise hilfreich sein:
Wir könnten uns in diesem Advent vornehmen, Zeiten der Stille und des Gebets zu leben, um uns des Sterns der Verheißung inne zu werden, den Gott uns in der Taufe aufleuchten ließ. Wir können auch nachdenken darüber: Welche Verheißung, welches Licht hat Gott DURCH MICH in die Welt gebracht?
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Predigt am 17.07.2011
“Gottes Geist betet in uns“
„Sage mir, was du betest – und ich sage dir, wer du bist!“ So könnten wir in Anlehnung an ein Sprichwort sagen. Im Gebet, wenn es denn persönlich ist und nicht das Aufsagen von Formeln, sprechen wir aus, was uns bewegt.
Wenn wir bedenken, wie schmerzhaft und verstörend es ist, wenn jemand durch einen Schlaganfall z.B. nicht mehr sprechen kann, wenn die Kommunikation mit den Menschen, die einem am Herzen liegen, nicht mehr möglich ist – dann können wir entsprechend uns vorstellen, wie leidvoll es sein kann, wenn das Gespräch mit Gott nicht mehr möglich ist. Wenn jemand nicht oder nicht mehr beten kann.
Oft sind es Bitten, wenn wir beten. Wir sorgen uns um etwas und vertrauen es Gott an. Wir hoffen, dass Gott in irgendeiner Weise sich des Problems annimmt – und sei es dadurch, dass er uns die Kraft gibt, die Angelegenheit durch zu tragen. Klar, dass Gott nicht unsere Probleme löst. Er ist kein „Klempner“, der mal gerade einen Rohrbruch zu reparieren hat und wieder weg geschickt wird. Er ist auch nicht der „Ersatzspieler“, der alles zu regeln hat, was wir selbst nicht schaffen. Eine Prüfung im Glauben ist es sicher, wenn wir um die Gesundung von Menschen bitten, die uns nahe stehen, und sie werden nicht wieder gesund. Dann fragen wir uns, ob das Bitten ganz umsonst war; ob Gott uns hört. Der Hl. Augustinus hat einmal gesagt: „Gott hat sein Ohr an deinem Herzen.“ Stellen wir uns einmal buchstäblich vor: Wir legen unser Ohr an das Herz eines vertrauten Menschen – und übertragen das auf Gott. Was für ein wunderbarer Satz: Gott hat sein Ohr an deinem Herzen. Das heißt doch: Er vernimmt immer, was wir empfinden, was uns bewegt. Jesus selbst hat gesagt, dass wir nicht viel reden müssen, damit Gott uns hört. Für uns selbst jedoch kann es wichtig sein, das was uns belastet auszusprechen; auch vor Gott auszusprechen. Auch unseren Zorn, unsere Fragen und Überforderung. Und dann das Vertrauen in Gottes Nähe in uns wachsen lassen, damit wir fähig werden, in seinem Sinne zu leben.
Manchmal ist unser Beten ein Danken. Wir sind erleichtert, dass eine Schwierigkeit gut ausgegangen ist; dass die Kinder ein gutes Zeugnis bekommen haben; dass eine Operation gut gelungen ist – oder einfach auch nur, dass ein herrlicher Tag uns in frohe Stimmung versetzt und wir das nicht als selbstverständlich verbuchen. In jeder Heiligen Messe danken wir gemeinsam Gott für das, was er in der Geschichte der Menschheit tat und wirkt. Der tiefste Grund unseres Dankens ist Jesus selbst. Mit ihm hat uns Gott das größte Geschenk gemacht. Jesus sagt seinen Freunden in der Nacht am Ölberg: „Wacht und betet!“ (Mt 26,41) Gebet und innere Wachsamkeit können uns in Lebenskrisen die entscheidende Hilfe sein. Von Johannes Degen stammt das folgende Gebet: Herr, wir möchten dich heute nicht so sehr um etwas bitten. Wir möchten diesmal nicht etwas von dir bekommen und sagen deshalb auch nicht: „Gib uns dies und das!“ Sondern wir beten zu dir, dass du unsere Augen für das öffnest, was du uns schon längst geschenkt hast. Wir übersehen an uns selber und in unserer Welt vieles, wofür wir dir dankbar sein können. Über manche Fähigkeiten bei uns wissen wir gar nichts. Für das, was wir übersehen haben, und für die glücklichen Augen- blicke in unserem Alltag sagen wir dir Dank. Nimm unsere einfachen Worte als den Versuch, dich zu preisen. Amen.
Selten ist es, dass wir Gott preisen und anbeten. Das Preisen Gottes, also dass wir ihm sagen, wie groß und wunderbar er ist, dass wir staunen über sein Wirken und dass wir (wie frisch Verliebte) eigentlich gar nicht genug ihm bekommen können – das ist wohl eher seltener. „Sage mir, was du betest – und ich sage dir, wer du bist!“ Na ja, das klingt gut. Aber was ist, wenn jemand gar nicht weiß, was er oder sie beten soll. Wenn gar kein Wort aus dem Herzen aufsteigt, geschweige denn über die Lippen kommt? Wenn der Strom unseres Sprechens mit Gott nicht einmal mehr ein Rinnsal ist, sondern ausgetrocknet ist? In der heutigen Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer hörten wir: „Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“
Der Geist selber tritt für uns ein! Es tut gut, daran glauben zu dürfen, dass Gott selbst sich zu unserem Sprachrohr macht. Das ist so, als wenn ein Ausländer einen Übersetzer hat, der in einem Asylverfahren seine Interessen vertritt und zum Ausdruck bringt, was er selbst nicht sagen kann.
Der Geist selber tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können. Mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können!
Es kann Phasen in der Beziehung zu Gott geben, wo wir wie in einer Wüste gleichsam innerlich ausgedörrt und ausgetrocknet sind; dass schwer Kranke, die nicht mehr klar denken können, weil die Schmerzen oder die Medikamente sie dazu unfähig machen, nur noch stöhnen und wimmern; dass die Opfer eines Terroranschlags unter Schock und Entsetzen und unter Qualen jammern; dass die Angehörigen der Toten eines schweren Verkehrsunfalls wie gelähmt gar nicht fassen, was da an Leid über sie hereingebrochen ist – dann und gerade dann spricht in diesem Wehklagen und Weinen der Geist Gottes selbst in uns und aus uns. Da sind Worte nicht nur nicht möglich, sondern auch unnötig. Das Schreien aus der Tiefe des Herzens ist längst bei Gott angekommen.
Vielleicht räumt dies auch ein wenig mit unserer Vorstellung auf, die nicht in solch extremen Erfahrungen auftaucht, sondern eher in Alltagssituationen, nämlich mit der Vorstellung, dass wir Gott immer etwas sagen müssen.
Nicht wir müssen Gott etwas sagen. Gott will uns etwas sagen. Und es hat immer den Klang: Ich bin da mit dir und euch, in dieser bestimmten Situation.
Wir sind eingeladen, gerade auch in den Ferien, im Urlaub, uns dessen neu inne zu werden. Gott ist da. Ich bin da. Das reicht.
Ich möchte schließen mit einer Art Gedicht, das ich gefunden habe:
- In allem DU
- Selbst auf steinigem Grund
kann Schönheit wachsen, wenn es hinreichend Wasser des Lebens gibt und ein wenig Wurzelgrund.
- Wenn Sturmesfluten umtosen
das Haus unseres Lebens, dann sind wir auf sicherem Grund, wenn wir gründen können auf mehr als auf uns selbst.
- Gut zu wissen,
dass es Quellen gibt und wo sie zu finden sind, wenn wir dürsten nach mehr als Getränken.
- Die Augen schließen
und hören den Bach mit seiner Melodie des Lebens. Das Herz öffnen und sehen und staunen: In allem DU.
Klaus Honermann
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Predigt zum 3. Fastensonntag 2011
Das Gespräch am Jakobsbrunnen (Joh 4, 5-42)
„Das Gespräch am Jakobsbrunnen“ – eine oft gehörte und gern erzählte Begebenheit aus dem Leben Jesu. Ein Sittenbild auch aus der Zeit Jesu. Dieser Bericht kann uns aber auch vieles sagen über unser Leben als „lebendige Steine“ für eine erneuerte Kirche heute.
Die Szene am Jakobsbrunnen spielt in Sychar, einem Ort in Samarien – also aus Jesu Sicht eigentlich in Feindesland. „Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern“ sagt der Evangelist Johannes. Solches „Freund-Feind-Denken“ war Jesus fremd, er hatte keine Berührungsängste – er sprach sogar mit einer Frau! Von einem jüdischen Mann, besonders einem Rabbi, verlangte die Sitte strenge Zurückhaltung gegenüber einer Frau. Wir wissen, dass Jesus von dieser Sitte nichts hielt.
Die Frau dort am Brunnen: Wenn eine Frau alleine und um die Mittagszeit, also in der größten Mittagshitze, Wasser holen ging, dann kann man daraus schließen: sie musste alleine gehen, weil die anderen Frauen des Dorfes nichts mit ihr zu tun haben wollten. Warum? Vielleicht weil sie zu viele Männer hatte? „5 Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann“, sagt ihr Jesus auf den Kopf zu – und traf damit auch den Nagel auf den Kopf. Das „Gerhard Schröder-Joschka Fischer-Lothar Mathäus“ – Syndrom gab es offenbar schon damals. „Gib mir zu trinken“ sagt Jesus– diese Bitte verwirrt die Frau. „Wie kannst du als Jude mich, eine Frau, und dazu noch eine Samariterin, um Wasser bitten?“
Es folgt ein hochinteressantes religiöses Gespräch: erst einmal über die gemeinsamen Ursprünge ihres unterschiedlichen Glaubens; über Jakob, den gemeinsamen Glaubensvater, der vor Tausenden von Jahren diesen Brunnen gebaut hatte. Er ist übrigens noch heute erhalten. Sie sprachen über das Wasser in diesem 32 m tiefen Brunnen, von dem schon Urvater Jakob getrunken hatte, später seine Söhne – vor allem Josef, der in Ägypten beim Pharao Karriere gemacht hat. Und dann über das lebendige Wasser, das von Jesus ausgeht und das ewiges Leben schenkt.
Wasser, das ewiges Leben schenkt. Welche große Bedeutung Wasser für das menschliche Leben hat, wird uns spätestens dann deutlich, wenn es uns nicht zur Verfügung steht, jedenfalls nicht so, dass wir es unbedenklich nutzen können: verseuchtes Wasser in Haiti, verstrahltes Wasser in Japan darauf können wir gut verzichten. Wir brauchen schon gutes Wasser, lebendiges Wasser. Und Jesus verspricht der Frau sogar Wasser, das in ihr selbst zur sprudelnden Quelle werden kann, zur Quelle, die lebensspendendes Wasser gibt. Kein Wunder, dass die Frau ihn nicht versteht. Sie möchte schon dieses lebensspendende Wasser haben, aber nur, damit sie keinen Durst mehr bekommt.
Verstehen wir die Bedeutung dieses lebensspendenden Wassers, das uns Christen in der Taufe zur Verfügung steht, am Taufbrunnen? Sich taufen lassen, meint unter anderem „leben aus dem Wort Gottes; gehen in der Weggemeinschaft der Glaubenden“, so schreibt P.Honermann in einem Meditationsbild. Sehen wir in der Taufe nicht allzu oft nur die traditionelle Familienfeier, das Event, das man feiern kann oder auch nicht? Wie anders ist zu erklären, dass die Zahl der Taufen in Deutschland drastisch zurückgeht? Andererseits: in wie vielen Menschen gestern und heute ist nicht dieses Wasser der Taufe wirklich zur Quelle lebensspendenden Wassers geworden? Menschen, die zu Lebensspendern geworden sind.
Die Frau war inzwischen ins Dorf gerannt und erzählte dort, was sie erlebt hat. Ob die Menschen in dem Samariter -Dorf ihr wohl geglaubt haben? Ausgerechnet sie will den Messias gefunden haben, auf den die Juden und Samaritaner seit Jahrtausenden gewartet haben? Immerhin liefen sie hinaus aus dem Ort und zu Jesus hin, um sich selbst zu überzeugen. Und sagten dann zu ihr: „Nicht mehr auf Grund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben“. Neugierig waren sie doch, die Leute von Sychar in Samarien, auch wenn sie Zweifel hatten an dem, was die Frau ihnen da erzählte. Ging es nicht Maria von Magdala und den anderen Frauen nach Jesu Auferstehung genauso? Sie erzählten den Jüngern, was sie am leeren Grab Jesu erlebt hatten – aber „die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht“ – berichtet der Evangelist Lukas. Nur Petrus stand auf und lief zum Grab – vielleicht weil er verheiratet war und wusste, dass Frauen meistens Recht haben?
Jesus jedenfalls hat in seinem Leben durch ganz einfache, fast alltägliche Gesten und Worte gezeigt: Niemand hat Grund, sich dem anderen überlegen zu fühlen; von Gott ist jeder und jede geliebt, unabhängig von Rasse, Geschlecht und Religionszugehörigkeit – ja sogar unabhängig von seiner persönlichen Lebensführung. Auch Huren sind von Gott geliebt. Und ganz sicher würde Jesus heute auch bei einem Bank-Manager zu Gast sein, so wie er damals bei einem Zöllner zu Gast war. Aber wir erfahren von Jesus auch: Es gibt eine Wahrheit – nur eine Wahrheit, das ist Gott. Nach Gott zu fragen, sich an ihm auszurichten – das ist wahre Anbetung, wahrer Gottesdienst. Und dann kommt es nicht darauf an, ob wir das auf dem Tempelberg in Jerusalem oder auf dem Berg Garizim in Samaria machen, ob wir nach Rom in den Vatikan schauen oder in der Georgskirche in Schermbeck beten; nicht wo und was wir beten ist wirklich wichtig, sondern wie: im Geist und in der Wahrheit. Amen
Diakon Ekkehard Liesmann
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Predigt am 20.02.2011
Haus Gottes: Tempel oder Kirche?
Mit dieser Predigt wollen wir unsere Reihe eröffnen, welche die Renovierungsarbeiten innerlich begleiten soll. Als Gemeinde sind wir ja schließlich kein Bauunternehmen – und Bauherr nur im juristischen, aber nicht im eigentlichen Sinne. Denn es ist Gotteshaus – eben GOTTES Haus!
Und darum gilt das Wort aus dem Psalm 127, welches auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen ist, hier aber besonders zutrifft:
Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut.
Ein Gotteshaus – was ist das? Früher hat man Sonntag morgens auch schon mal salopp gesagt: Ich geh in den Tempel! Oder auch: Mich kriegen keine 10 Pferde wieder in den Tempel. Je nachdem.
Ist das eigentlich das gleiche: Tempel und Kirche? Um uns richtig zu verstehen: es geht mir um mehr als sprachliche Korrektheit. Es geht um den Inhalt.
Die Kirche ist – das sei bei allem Respekt vor den imposanten griechischen Tempeln oder gar vor dem nicht mehr existierenden Tempel in Jerusalem, von dem die Westmauer verehrt wird, dies sei bei allem Respekt gesagt – die Kirche ist kein Tempel.
Jetzt sind Sie vielleicht erstaunt; vielleicht denken Sie: „So genau muss man das doch nicht nehmen; wir wissen doch, was gemeint ist. Ob Tempel, Kirche oder Moschee – das ist doch gleich. Es ist eben ein Gotteshaus, in dem gebetet wird.“
Auch wenn Tempel, Kirche oder Moschee alle Gotteshäuser sind, so ist doch die Vorstellung von Gott, die sich dahinter verbirgt, ziemlich anders.
Tempel ist ein heidnischer und jüdischer Begriff. In einem Tempel werden Tiere und Weihrauch geopfert. Von den Menschenopfern der Mayas einmal abgesehen.
Im Jerusalemer Tempel trat nur einmal im Jahr der Hohepriester – allein und stellvertretend für das ganze Volk – ins Allerheiligste des Tempels und bat Gott um Vergebung und Versöhnung. Im Übrigen gab es den Vorhof der Heiden, die nicht einmal in den eigentlichen Tempel hinein konnten.
Und da kommt Jesus, der kein Priester ist, der keine rituellen Opfer vornahm, der es mit sündigen Menschen zu tun hatte und keine Berührungsangst vor ihnen hatte, der seine Botschaft der Liebe Gottes brachte gerade in der profanen Welt, bei Fischern und Zöllnern – also der Welt, die sich außerhalb des heiligen Tempelbezirks befand.
Und: Jesus nun hat nicht Anderes geopfert, hat niemand anderen als Sündenbock gebraucht, schon gar nicht andere über die Klinge springen lassen, sondern hat sein eigenes Leben gegeben. Und das feiern wir als seine Kirche und „in der Kirche“.
Jesus ist der lebendige Tempel, der abgerissen (d.h. getötet) und in 3 Tagen in der Auferweckung durch den Vater wieder aufgerichtet wird, wie er selbst im Matthäus-Evangelium sagt. (Mt 26,61)
Woher kommt nun eigentlich das Wort „Kirche“ und was meint es? Es kommt vom griechischen Wort „kyriakä“ – die zum Kyrios, zum Herrn Jesus gehört. ER will und soll gegenwärtig sein inmitten derer, die sich in der „Kirche“ versammeln. Man kann zwar überall Gottesdienst feiern: im Zeltlager, auf einer Berghütte, in einer Üfter Scheune, hier in der Aula des Marienheims …
Was also ist das Besondere an der Kirche? Die Kirche ist der ständige Ort der Feier der Auferstehung! Besondere Feiern brauchen normalerweise auch besondere Räume. Ausnahmen bestätigen die Regel.
In der Lesung aus dem 1. Brief an die Korinther haben wir gehört, dass WIR der Tempel Gottes sind. Wir sind der Tempel Gottes!!! Was für eine sensationelle Sicht von den Glaubenden. Durch den Heiligen Geist, der in unserem Innersten lebt, und der unter uns lebendig ist, sind wir der neue Tempel. Das ist sensationell! Der Ort, wo Gott zu finden ist, ist in erster Linie kein Gebäude, sondern sind die lebendigen Menschen, die Christus in ihrer Mitte haben wollen. Wir selbst sind Wohnung Gottes!
Um dies besser zu verstehen, können wir uns auch noch einmal Folgendes klar machen: Das Entscheidende an einem Elternhaus ist ja auch nicht das Haus an sich, sondern die Anwesenheit der Eltern. Sobald diese nicht mehr da sind, erfahren wir eine gewisse Leere. Es ist nicht mehr dasselbe. Die Beziehung zu den Personen und das gemeinsam Erlebte und Gelebte macht eine Wohnung eigentlich zu dem, was sie ist.
Und so ist die Kirche das gemeinsame Haus, in dem Gott in unserer Mitte erfahren werden will. Und diese Erfahrung macht die eigentliche Kostbarkeit aus, nicht die Kunstwerke, weswegen viele Menschen Kirchen aufsuchen. Aber das sind dann im eigentlichen auch Kirchenbesucher und nicht Gottesdienst-Teilnehmer.
Der Ort der Erfahrung Gottes ist kein Sonderraum, der von der Welt getrennt ist. Vielmehr gehört die ganze Welt und gehören alle Menschen hinein in den Raum von Kirche. So sagten wir eben. Da erhebt sich dann aber die Frage nach der Ehrfurcht und dem bewussten Umgang mit der Gegenwart Gottes. Dass der Kirchenraum eben keine Turnhalle und kein Theatergebäude ist. Aber stellt sich die Frage nach der Ehrfurcht nicht viel radikaler?
„Ihr seid Gottes Bau“ – dann ist doch die Ehrfurcht vor dem Menschen, in dessen Herz Gottes Geist Wohnung nimmt, die eigentlich entscheidende Frage. Wenn die Menschenwürde mit Füßen getreten wird, ist die Beleidigung Gottes größer, als wenn in einer Kirche laut geredet wird oder man sich sonst ohne Respekt im Kirchengebäude verhält.
Wenn die Ehrfurcht vor dem Menschen als Ebenbild Gottes wächst, dann wächst auch das Verständnis für das, was ihm heilig ist. Und dann behandeln wir das, was ihm wichtig ist, mit Sorgfalt und Achtung. Dann bedeutet Ehrfurcht im Kirchengebäude die Sorge darum, dass Menschen in diesem Raum möglichst intensiv Gott begegnen und ihn erfahren können.
In dieser Perspektive gehören dann die Stille und Achtung vor Kreuz, Altar und Tabernakel als Ausdruck dessen dazu und begründen sich von daher.
Dann kann eine harmonische und klare Kirchengestaltung dazu beitragen, dass wir uns sammeln und zur Mitte finden, zu Christus, der in unserer Mitte anwesend sein möchte – natürlich nicht nur in der Kirche, aber auch gerade dort. Das ist der tiefste Grund unserer Kirchenrenovierung! Und die ständige innere Erneuerung der lebendigen Kirche muss damit einhergehen.
„Ihr seid Gottes Bau“ – der Bau aus Steinen soll möglichst gut dem dienen, dass die lebendigen Steine wirkliche Bausteine der Gegenwart Gottes mitten in der Welt sind.
Klaus Honermann
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Predigt am 02.01.2011
„Gott hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet …“
Wieder Gottesdienst. So sagten wir zu Beginn der Messe. Das klingt so nach: wieder müssen wir etwas für Gott tun. Dabei ist es umgekehrt: Gott will etwas für uns tun in dieser Feier. Darum GOTTESdienst. Wir können es mit der Lesung, die wir eben hörten, auch so sagen: „Gott hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet …“ (Eph 1,3)
Was aus unserem Kind wohl mal wird? fragen sich Eltern, wenn ihre Kinder klein sind. Die sorgenvolle Variante dessen ist: Was soll nur mal aus Dir werden, wenn Du so weitermachst!? Jugendliche machen Pläne für ihre berufliche und sonstige Zukunft. Ein Großvater sagt schon mal zu seinem Enkel: Und du wirst später einmal meinen Betrieb übernehmen.
Wie anders lautet da der Plan, den Gott mit Abraham – und so auch mit einem jedem von uns hat. Gott sagt: DU SOLLST EIN SEGEN SEIN. (Gen 12,2)
Gibt es etwas Schöneres, was über die Zukunft eines Menschen gesagt werden kann? Gibt es ein schöneres Projekt für Personalentwicklung? Gibt es ein positiveres Wort hinein in das gerade begonnene Jahr?
DU SOLLST EIN SEGEN SEIN. Wie ein warmer Landregen nach Tagen der Trockenheit ein Segen ist für Landwirte, wie die ruhige Hand des Chirurgen für den erkrankten Patienten, die beherzte Hand eines Erwachsenen, der ein kleines Kind aus dem Wasser zieht und vor dem Ertrinken rettet, wie ein unbefangenes Kind, das mit einem unschuldigen, jedoch sehr treffenden Wort einen Streit entschärfen kann, wie Eltern, die ihre Kinder bei Fehlern ermutigen, ein Segen sein können, und Großeltern, die viel Zeit mitbringen, so gibt es unzählige Beispiele, wie wir füreinander zum Segen werden können.
Aber Halt! Ist da nicht gerade unmerklich aus einer Zusage Gottes eine Verpflichtung geworden: Du SOLLST …? Es ist eine etwas missverständliche Übersetzung. Es ist gemeint im Sinne von: Du WIRST ein Segen sein.
Wir sind schon vorab Gesegnete. Durch die Taufe und überhaupt. „Gott hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet … denn in Christus hat er uns erwählt (wir können auch sagen: geliebt) vor der Erschaffung der Welt.“
Was für ein segensreiches Wort in einer Leistungsgesellschaft! Längst bevor wir etwas geleistet haben, ja längst bevor wir und die Welt überhaupt sind, denkt Gott schon voller Liebe an uns.
Hören wir doch einmal hinein in den Segen, den der Niederrheiner H.D Hüsch formuliert hat:
Im Übrigen meine ich Dass Gott uns alle schützen möge Auf unserem langen Weg zur Versöhnung Mit allen Menschen und mit allen Völkern
Er möge uns bewahren und pflegen Mit seiner umfassenden Güte
Er möge uns heilen Und alle Krankheiten von uns nehmen
Alle unsere Wunden an Leib und Seele Die wir uns ständig antun Möge er mit seiner einzigartigen Kraft In Zeichen der Reife und Weisheit verwandeln
Er möge von seiner Heiterkeit ein Quäntchen In uns hineinpflanzen Auf dass sie bei uns wachse, blühe und gedeihe Und wir unsern Alltag leichter bestehen.
Dass er uns bewahre vor jedem Hochmut und jeder Bitterkeit Und dass er uns fähig mache Weiterhin zu glauben an seine Welt Die nicht von unserer Welt ist Und dass wir nicht ersticken an allem Tand Und eitlem Tun
Darum bitten wir ihn von ganzem Herzen.
(H.D. Hüsch)
Und Heinz Pangels, der seit der Geburt spastisch gelähmt ist, hat folgendes Segensgebet verfasst, das schon segensreich ist, wenn man es nur vernimmt:
Der liebende und gütige Gott segne dich! Er erfülle dich mit seiner Kraft, auf dass Du mit Gelassenheit tragen kannst, was er dir schickt. Er begleite dich auf allen deinen Wegen, auf dass du zuversichtlich in die Zukunft schauen kannst. Er segne deine Arbeit und deine Mühen, auf dass du Freude an deinem Tun empfindest und Zufriedenheit bei dir einkehre. Er umgebe dich mit Menschen, die dir nahe sind und die dich mögen, die dich so annehmen, wie du geschaffen bist. Er schenke dir die Gnade der Bescheidenheit, auf dass du nicht jeden Verzicht als Verlust empfindest. Er gebe dir die Kraft loszulassen, was du nicht festzuhalten vermagst. Er schenke dir ein waches Herz, das die Spuren der Gegenwart erkennt, offene Augen, die sehen, was um dich herum geschieht, offene Ohren, die auch leise Stimmen vernehmen, eine freie Nase, die auch den Atem des Lebens spürt, einen wachen Sinn, Neues zu entdecken und das Alte zu bewahren, dass es nicht fade wird, zärtliche Hände, die Geborgenheit vermitteln, starke Arme, die Halt bieten, kräftige Füße, die auch weite Wege gehen können. So segne und bewahre dich der Herr, dein Gott, dass du immer bleibst, was du bist: sein Ebenbild. Er umfange dich mit seiner Liebe und schenke dir Frieden und Heil.
Mit so viel Segen können wir getrost in das neue Jahr gehen.
Klaus Honermann
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Predigt am 03.10.2010
Erntedank
„Wir sind unnütze Sklaven, wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ – so sollen wir sagen, sagt Jesus. Sollen wir wirklich? Unnütze Sklaven – nur unsere Schuldigkeit – ist das nicht ein bisschen zu unterwürfig? Haben wir nicht auch ein bisschen Lob und Anerkennung verdient für das, was wir geleistet haben? Natürlich kann ich und werde ich Jesus nicht widersprechen, ihn nicht korrigieren. Was er anmahnt, und das sicher mit Recht und aus gutem Grund, ist, dass wir uns auf unsere Leistungen nichts einbilden, sondern dass wir uns immer wieder bewusst machen, wem wir letztlich alles verdanken, auch unsre Leistungsfähigkeit: nämlich Ihm, Gott. Und wenn wir heute Erntedankfest feiern, dann tun wir das, weil uns bewusst ist, dass wir allen Grund zum Danken haben. „Danke Vater für die Gaben, Amen, Amen!“ so lautet ein kurzer Liedtext, den wir auch zum Essen singen können.
Heute haben wir einen besonderen Grund, Erntedank zu feiern. Vor 20 Jahren wurde unser Land, das politisch gespalten war, wieder vereint. Daran erinnert dieser 3. Oktober, der „Tag der deutschen Einheit“. Die Frucht, die damals geerntet wurde, mag dem Einen oder Anderen nicht schmecken – so geht es bekanntlich mit allen Erntefrüchten – aber dieser Tag beendete wirklich widernatürliche Zustände: zerrissene Familien wurde wieder zusammengeführt, Menschen brauchten nicht mehr unter Lebensgefahr aus ihrem Land zu fliehen, alte Eltern konnten wieder zu ihren Kindern und Enkelkindern, von wirtschaftlichen Besserungen abgesehen. Wir dürfen Gott für dieses Geschenk, für diese doch weitegehend unverdient Ernte danken.
Üblicherweise bringen wir die Früchte der Erde, das Ergebnis der menschlichen Arbeit hier zum Altar, um unserem Dank eine festliche Note zu geben. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass in den meisten Gegenden dieser Welt eine solche Ernte nicht möglich ist. Der Rückblick auf 10 Jahre Armuts- Bekämpfung, den die Vereinten Nationen kürzlich beim Milleniums-Gipfel in New York unternommen haben, hat Erschreckendes zu Tage gebracht. Dabei trifft es wie üblich die Schwächsten unserer Menschheit ganz besonders: die Kinder! Rund 90 Mio. Kinder unter fünf Jahren sind stark mangelernährt, sie hungern. Können Sie sich diese Zahl vorstellen? 90 Millionen Kleinkinder – das sind mehr, als Deutschland insgesamt Einwohner hat! Und diese Zahl umfasst nur die Kinder unter 5 Jahren! Wie viele Kinder mögen es insgesamt sein! Wie viele Erwachsene, Mütter, Väter, alte Menschen sind vom Hungertod bedroht. Rund 400 Mio. Kindern fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser! Zahlen, die erschüttern, Zahlen, die gerade am Erntedankfest unruhig machen müssen.
In der Familienmesse am letzten Sonntag haben Kinder Symbole für die Elemente, denen wir unsere Ernten verdanken, zum Altar gebracht: die Erde, das Wasser, die Sonne, den Wind. Wie fruchtbar ist unsere Erde, unser Boden hier bei uns. Wir wissen, dass das nicht überall so ist. Woanders werden Ernten durch Erdbeben zerstört – wenn überhaupt etwas wächst. Haiti ist uns noch in frischer Erinnerung. Wir haben Grund, Gott für die fruchtbare Erde hier bei uns zu danken. Das Wasser: wenn es hier mal ein paar Tage regnet, stöhnen wir und beschweren uns. Und in Pakistan? Tausende ertrinken! Und wir brauchen gar nicht mal so weit zu gehen: Im Osten Deutschlands mehren sich die Hochwasser-Katastrophen, weil es zu viel regnet. Wie gut haben wir es hier bei uns, in Schermbeck, im Münsterland! Die Sonne: „Lieber Gott, lass die Sonne wieder scheinen“ singen wir, wenn es ein paar Tage geregnet hat oder wenn im Winter Wolken den Tag, die Wochen grau machen. Menschen in Afrika, in der Sahara und in anderen Wüstengebieten, werden das nicht verstehen. Dort scheint eine zerstörerische Sonne oft jahrelang und lässt alles verdorren, macht alle Arbeit nutzlos. Der Wind: Sicher, wir hatten den Kyrill und den einen oder anderen Sturm. Das eine oder andere Dach wurde abgedeckt; Bäume gefällt; für die Betroffenen auch bei uns eine Katastrophe. Unsere Freunde in San Cristobal und in anderen Ländern der Karibik und Mittelamerikas werden alljährlich von mehreren Kyrills heimgesucht. In Haiti wurden vor wenigen Tagen erst wieder durch einen Wirbelsturm 5 Menschen getötet, die das Erdbeben vor wenigen Monaten überlebt hatten. Tausende verloren das Wenige, das sie nach dem Erdbeben noch besaßen.
Gestern Abend, aus Anlass des Schutzengel-Festes erinnerte der Eine-Welt-Kreis an die Lage vieler Kinder in der Welt, besonders an die Situation der Aids-Waisen in Afrika. Nach Ermittlungen des Kinderhilfswerks UNICEF lebt nahezu die Hälfte der Kinder weltweit in Armut; das ist mehr als eine Milliarde Kinder. Ein Viertel davon hat nicht einmal die einfachste Gesundheitsversorgung. Die Verbreitung von Aids unter den Erwachsenen, vor allem in Afrika, verschärft die Lage der Kinder zusätzlich. Kann man, können wir angesichts dieser Zahlen Erntedankfest feiern?
Yes we can! Ja, wir können es. Wir müssen es sogar. Weil wir nur so Gott für unsren Wohlstand, für unsere Gabenfülle danken können. Unsere Spenden sind nur eine Möglichkeit, Dank abzustatten. Gebet und Mitgefühl sind andere Möglichkeiten. Und wenn wir, statt über die kleinen vermeintlichen Katastrophen unseres Alltags zu klagen, an die großen Katastrophen in der Welt denken, nicht mit Schadenfreude, sondern voll Mitgefühl mit den Milliarden Betroffenen, dann wird sich ein Gefühl der Dankbarkeit wie von selbst einstellen. Ein ewiger Erntedank wäre das! Amen.
Diakon Ekkehard Liesmann
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Predigt am 15.08.2010
Mariä Aufnahme in den Himmel (Lk 1, 39-50)
„Treffen sich 2 Jäger – beide tot“ – dieses Witzchen brachte mein damals 5 Jahre alter Enkel aus dem Kindergarten mit. Und er schien erwartungsvoll die Sekunden zu zählen, bis Opa endlich die Pointe kapierte und anfing zu lachen. „Treffen sich 2 Jäger – beide tot“.
„Treffen sich 2 Frauen – beide schwanger. Sagte die eine ...“ – auch das könnte der Anfang eines Witzes sein, vielleicht eines eher dummen Witzes. Ist es aber nicht. Sondern so ähnlich beginnt eine Erzählung, die für mich zu den schönsten und gleichzeitig geheimnisvollsten Erzählungen der Heiligen Schrift gehört. Wir hörten sie gerade im Evangelium. Der Evangelist Lukas erzählt uns Einzelheiten über die Begegnung von 2 schwangeren Frauen, die beide eigentlich gar nicht schwanger sein konnten. „In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa“. Maria, vermutlich ein sehr junges Mädchen, auf jeden Fall nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift eine Jungfrau – wie kann sie schwanger sein? War sie sich denn überhaupt sicher, dass sie schwanger ist? Vielleicht war ja alles nur ein Traum, die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel? Immerhin war das ja erst „einige Tage“ her! Kann man da schon so sicher sein?
Maria machte sich auf den Weg – von Nazareth in Galiläa in eine Stadt im Bergland von Judäa, vermutlich das heutige En Karem, wenige Kilometer westlich von Jerusalem. „Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet“. Elisabet, die Frau des Zacharias, eine Frau „in vorgerücktem Alter“, wie ihr Mann sagte. Sie galt als unfruchtbar, was in Israel damals als Schande galt, weil man darin eine Gottesstrafe sah. Vom Engel wusste Maria, dass Elisabet, ihre Verwandte, im sechsten Monat schwanger ist. Wie kann das sein? Eine so alte Frau! Und wie kann Lukas, der Arzt, der Intellektuelle seinen Zeitgenossen eine solche Geschichte auftischen? Eine Jungfrau und eine Altfrau – beide schwanger? Gegen alle Erfahrung glaubte Lukas offenbar an diese Begebenheit, an das Unglaubliche. Ich denke, der Schlüssel für seinen Glauben liegt in dem Satz: „Denn für Gott ist nichts unmöglich“!
Elisabet war im sechsten Monat, schwanger mit einem Jungen, dem Sohn des Zacharias, Johannes wird sein Name sein. Und wenn er geboren ist, in drei Monaten, dann wird der Vater Zacharias auch wieder sprechen können – denn einstweilen hat ihn wegen des Ungeheuerlichen wohl der Schock getroffen – er ist sprachlos. „Dein Sohn wird dem Herrn vorangehen“, sagte der Engel zu Zacharias. Der gleiche Engel, der Maria besucht hatte, der sich selbst vorstellte: Ich bin Gabriel. Und als Maria jetzt vor Elisabet steht – da begann dieser noch nicht geborene Johannes seine Propheten-Laufbahn: Er hüpfte in ihrem Leib. Jetzt können viele von Ihnen, liebe Brüder und vor allem liebe Schwestern, sagen: Das ist normal, in diesem Entwicklungsstadium bewegt sich der Fötus immer mal. Aber hier muss es schon etwas nicht Normales, Ungewöhnliches gewesen sein. Denn Elisabet sagte nicht: O Gott, der Kleine strampelt, sondern, so erzählt es Lukas, „sie wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Woher wusste Elisabet, dass das Mädchen Maria, ihre Verwandte, im ersten Monat schwanger war? Woher wusste sie es, wenn nicht vom Heiligen Geist?
Dieser Ausbruch der Elisabet war dann vielleicht auch für Maria die letzte Bestätigung, dass alles ganz wirklich war, dass sie die Begegnung mit dem Engel nicht geträumt hatte. Jetzt brach es aus ihr heraus: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig“. Was Maria in diesem Moment noch nicht wissen konnte, war, dass er sie einst leibhaftig in den Himmel aufnehmen würde. Aber eigentlich doch logisch, oder?
Treffen sich 2 Frauen, beide schwanger. Sagt die eine: Meine Seele preist die Größe des Herrn!? Das ist kein Witz, S+B, das ist eines der Ursprünge unseres Glaubens. Ohne Johannes, ohne dieses Kind der alten Frau Elisabet, und erst recht ohne Jesus, dem Sohn der Jungfrau Maria, dem Gottessohn, gäbe es unseren Glauben nicht. Auch deswegen ist diese Erzählung des Evangelisten Lukas für mich eine der schönsten Berichte der Bibel. Amen.
Diakon Ekkehard Liesmann
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Predigt am 08.08.2010
Die soziale Dimension der Eucharistie, (1 Kor. 11:17-22, 27-34; Mt. 25, )
„Wer in der Liebe wachsen will, geht zur Eucharistie“, sagte Mutter Teresa und beginnt 1973, täglich mit ihren Mitschwestern eine Stunde der eucharistischen Anbetung zu halten. Erst danach beginnen Mutter Theresa und ihre Schwestern ihre Arbeit für die Armen. Die Mitte aller Sakramente, die Eucharistie, war für Mutter Teresa die Mitte ihres Lebens.
Liebe Gemeinde, in den letzten 5 Wochen haben über wir die verschiedenen Aspekte der Eucharistie nachgedacht. Heute wollen wir über die soziale Dimension der Eucharistie nachdenken. Die Gegenwart Jesu verbindet die heilige Eucharistie und das soziale Engagement. „Was ihr den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, sagte Jesus im heutigen Evangelium
„Der Altar steht überall, an allen Straßenecken, auf allen Plätzen.“ Der Kirchen-Vater, Johannes Chrysostomus erkennt in jeder Begegnung mit Bedürftigen und in jedem Versuch, ihnen zu helfen, eucharistisches Wirken. Es ist kein Zufall, wenn im Matthäus Evangelium im Kapital 25 erwähnt wird: „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das (...) für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.“ In der Begegnung mit dem Hungernden, dem Fremden, dem Kranken oder dem Gefangenen, in all den Werken der Barmherzigkeit liegt eine „quasi-sakramentale Gegenwart Jesu“.
Wir können nicht die Hl. Eucharistie privatisieren, können sie nicht von der Gemeinschaft und vom Interesse für Gerechtigkeit trennen. Der Empfang der heiligen Kommunion ist immer zugleich mit der Verpflichtung verbunden, das zu werden, was wir empfangen: Leib Christi, wie der Heilige Augustinus sagt.
Die Kommunion - die Eucharistie - ist also das Sakrament, das uns zu einem zweiten Christus werden lässt. Wir werden "Leib Christi", wenn wir seinen Leib empfangen –„werdet, was ihr empfangt: Leib Christi“ sagt Augustinus. Wenn Sie so wollen, sind wir nach dem Empfang der Kommunion „wandelnde Tabernakel“. Und so, wie wir uns vor dem Tabernakel hier im Altarraum mit Ehrfurcht und Respekt verneigen – jedenfalls sollte es so sein! – so müssten wir uns eigentlich vor jedem, der die hl. Kommunion empfangen hat mit Ehrfurcht und Respekt verneigen – denn Jesus Christus ist in ihm!.
Angesichts von Wirtschaftskrise und sozialen Problemen sei Solidarität mit Bedürftigen notwendig, sagte Papst Benedikt. Es gehe hier um Eucharistie im Alltag und um persönliche Hingabe an die Menschen: „Eucharistie, die nicht zur Begegnung mit Menschen an den Orten führt, an denen sie leben, arbeiten und leiden, und ihnen nicht Gottes Liebe bringt, offenbart nicht ihre Wahrheit.“
Für die Christen der ersten Jahrhunderte hatte die Eucharistie eine existentielle Bedeutung, die wir uns nur schwer vorstellen können. Das ganze Geheimnis des Glaubens ist gegenwärtig, wenn sie über die Eucharistie sprechen. Die Eucharistie bestätigt, dass die sichtbare Welt gut ist und dass wir mit unserer menschlichen Natur und unserer Geschichte angenommen sind - bis hinein in Gottes Ewigkeit. Dazu hatte die Eucharistie von Anfang an eine soziale Dimension und löste zahlreiche Initiativen für die Armen aus. Für ihre Zeitgenossen waren die ersten Christen mit ihrer starken Verknüpfung von Glauben und Leben häufig ein Rätsel, aber ein bewundernswertes. „Seht, wie sie einander lieben“. Wenn wir entdecken, wie die ersten Christen sich der Eucharistie näherten, kann das unseren Glauben erhellen und beleben. Wir sind wie sie berufen, dies zu verstehen: Den Leib Christi zu empfangen heißt, zu dem zu werden, was wir empfangen: Leib Christi!
Dazu eine kleine Geschichte: Ein junger Mann fragt Gott: Warum tust Du nichts gegen all die Armut und das Leiden der Menschen? Und Gott antwortete: Ich habe etwas getan, mein Freund. Ich habe dich zu den Armen und Notleidenden gesandt!
Beten wir zum Schluss mit der Heiligen Teresa von Avila: „Christus hat keine anderen Hände als unsere Hände, um heute seine Arbeit zu tun. Er hat keine anderen Füße als unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Er hat keine anderen Lippen als unsere Lippen, um den Menschen seine Botschaft zu verkünden. Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest. Wir sind Gottes Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.“ Amen
Pater Antony Mooleparambil CMI
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Predigt am 11.07.2010 KILIAN
Was muss ich tun …?
Was muss ich tun, um Schützenkönig zu werden? Das fragen sich einige von uns vor einem Schützenfest. Und die Antwort ist eigentlich klar: Ich muss eingetragener Schütze sein. Und dann muss ich „nur noch“ den letzten Schuss abgeben, der den Vogel runter holt. Ist doch ganz einfach, oder?
Aber das Fest ist ja nicht nur eine Sache, die der jetzige und künftige König bewerkstelligt und nicht nur eine Sache für den Thron. Es ist das Anliegen der ganzen Schützenbruderschaft. Beim vergangenen Kiliansfest ist mir aufgefallen, was auf dem Banner steht – und ich habe es mir damals sofort auf einem Bierdeckel aufgeschrieben: Tradition leben – Freunde schaffen – Zukunft gestalten
Ich meine, es ist gut, darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet, damit es eben nicht nur auf der Fahne steht (oder auf meinem Bierdeckel damals), sondern in unseren Herzen. Es hat zu tun mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Also:
- Tradition leben:
Das hört sich zunächst vielleicht an wie etwas Rückschrittliches. So nach „alten Zöpfen“, die abgeschnitten werden müssen. Dabei leben wir alle aus Traditionen, oft ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Z.B. die Art und Weise wie eine Familie den Sonntag begeht – ist eine Tradition. Oder wenn schöne Veranstaltungen zu einer Regelmäßigkeit werden. Tradition macht deutlich: ich lebe nicht nur aus mir heraus. Ich fange nicht bei Null an, sondern bei dem, was andere vor mir gelebt haben und an positiven Erfahrungen weitergeben. Eine gute Tradition beim Kiliansfest ist es auch, dass der Gefallenen und Opfer der Krieg gedacht wird. Auf der Ehrentafel stehen zwar nur die Männer. Aber die Frauen, die in den Kriegen ihr Leben lassen mussten, gehören sicher auch dazu. Die Erinnerung an die Grausamkeiten des Krieges, auch der Opfer jetzt in Afghanistan, bei unserem Feiern nicht zu vergessen, hilft uns, die Gegenwart richtig zu leben.
- Freunde schaffen:
Freunde gehören zu den Schätzen im Leben – so haben wir bei der Erstkommunion-feier von den Kindern gehört. Aber Freundschaften fallen uns nicht in den Schoß. Es sind Beziehungen, die wachsen, die aufgebaut werden wollen. Eine gute Gemeinschaft zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur die, welche ohnehin Freunde sind, zusammen stehen und zusammen feiern. Eine gute Gemeinschaft baut die Beziehungskreise aus, nimmt Menschen mit hinein. Sich von Freunden getragen wissen nicht nur in den Tagen von Kilian, sondern an allen Tagen, das ist ganz wesentlich dafür, dass wir sagen können: Mein Leben ist gut.
- Zukunft gestalten:
Die Zukunft kommt nicht einfach auf uns zu als etwas Zufälliges. Wenn wir nichts für eine positive Zukunft tun, dann wird sie eben auch entsprechend negativer. Die Zukunft hängt nicht von uns allein ab. Aber wir können sie mitgestalten. Ein ganz praktisches Beispiel: Wenn heute keine Kinder geboren werden, müssen übermorgen Kindergartengruppen und Schulen geschlossen werden, dann trägt unser Sozialsystem nicht mehr. Zukunft gestalten: Für die Schützen, besonders den Vorstand, heißt das im ganz praktischen Sinne: das jeweils nächste Kiliansfest vorzubereiten und zu gestalten. Aber es geht natürlich um mehr. Zukunft gestalten kann heißen: die eigenen Pläne von Gott her zu bedenken. Dass wir uns fragen: Was meint Gott wohl zu dem, was wir in Zukunft tun werdenals Einzelne und als Gesellschaft. Das heutige Evangelium kann uns dazu einen Hinweis geben.
Was muss ich tun, um Schützenkönig zu werden? so fragten wir zu Beginn. Im Evangelium eben hörten wir eine ähnliche Frage: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Mir fällt auf: da geht es ebenfalls darum, etwas zu gewinnen. Und es geht darum, etwas zu tun.
In der Begegnung mit Jesus fragt der Gesetzeslehrer nicht „Wer ist mein Freund“, sondern „Wer ist mein Nächster“. Er fragte nicht, um etwas für die Nächsten zu tun, sondern das Gegenteil: um sich rausziehen zu können. Die Fremden, die anderen sind ja nicht meine Nächsten – so wollte er hören. Aber Jesus lässt ihn nicht so einfach davon kommen.
Wir kennen dieses Evangelium vom Samariter. Und wie bei allen Dingen, die wir kennen, geschieht es auch da leicht, dass wir es überhören, übersehen und schnell abhaken. Was muss ich tun? – will der Fragesteller wissen. Vielleicht ist das Erste gar nicht mal das TUN, sondern das SEHEN, dass wir sehen, „was Sache ist“. Klar, der Priester und der Levit haben den Verletzten ja auch gesehen. Aber dann haben sie schnell gesehen, dass sie weiter kamen. Sie mussten ja zum Tempel, um ihren Gottesdienst zu tun. Und dafür konnte man sich nicht die Hände schmutzig machen, vom Ritus her gesehen. Eine Sichtweise, die uns heute kaum mehr verständlich ist. Aber wir sehen ja auch manchmal, dass wir schnell weiter kommen. Und dabei kommt es noch nicht einmal darauf an, zum Gottesdienst zu kommen wie bei den beiden Männern aus dem Evangelium. Und ausgerechnet jener Ausländer, der noch nicht mal den richtigen Glauben hatte, der hat richtig hingesehen. Er hat gesehen: da ist jemand, der mich braucht. Und diese Sichtweise war für ihn – und wir können sagen: für Jesus – entscheidend und ausreichend, um zu handeln.
Aus dem Sehen erfolgt das Tun. „Was muss ich tun, um Leben zu gewinnen?“ Vielleicht, dass ich sehe, dass eine so konkrete Hilfe für jemanden das Leben bereichert; nicht nur das Leben des Empfangenden, sondern gerade auch das Leben des Gebenden und Helfenden. Ich erfahre mich dann als aktiv und lebendig.
Jetzt könnte jemand einwenden: Aber Sie haben doch das Wort ewig ausgelassen; Sie haben nur von Leben gesprochen. Sie haben Recht! Ich habe das Wort gerade weggelassen, damit wir es nicht als frommes, jenseitiges Wort überhören. Auf dem Kiliansfest und auch sonst wollen wir Leben – und nicht „ewiges Leben“.
Das ist doch erst in Zukunft; das hat doch Zeit bis nach der Beerdigung – meinen wir. Da kann ich nur sagen: Daneben geschossen! So holen wir den Vogel des Lebens nicht herunter! Wenn wir „Zukunft gestalten“ wollen – wie es auf dem Banner steht – dann gestalten wir eben auch die endgültige Zukunft, das so genannte „ewige Leben“. Das ewige Leben fängt nämlich an in diesem Leben. Bei diesem Kiliansfest. Oder es findet nicht statt.
Ewiges Leben kann sich darin ausdrücken, dass wir Freunde schaffen über die bisherigen hinaus. Dass auch die, die am Rande stehen, in den Kreis der Freunde hinein geholt werden. Leben gewinnen wir, wenn es jemanden an diesem Fest nicht gut geht – aus welchen Gründen auch immer – und jemand anderes sich um ihn (oder sie) kümmert und nicht denkt: Jetzt muss ich aber ganz dringend zu meinen Freunden aus der Kompanie.
„Was muss ich tun, um Leben zu gewinnen?“ Tradition leben – Freunde schaffen – Zukunft gestalten: und all dies aus der Beziehung zu Christus und im Blick auf die, die am Rande liegen. Amen.
Klaus Honermann
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Predigt am 20.06.2010
DIE EUCHARISTIE – Verwandlung in Christus
Als die 12 Apostel mit Jesus im Abendmahlsaal zusammen waren, um das Osterfest mit ihm zu feiern, da geschah etwas, was sie in diesem Moment in der ganzen Tragweite sicher nicht verstanden haben, was sie aber so bewegt haben muss, dass es ihr kommendes Leben prägte. Jesus gibt sich im Zeichen des Brotes: Das ist mein Leib!
Mein Leib hingehalten für euch, meine Liebe verschenkt an euch, mein Leben gegeben für euch.
Brot und Salz sind eine uralte Gabe der Gastfreundschaft. Bei den Nomadenvölkern, die am Rande der Wüste, im Kulturkreis Israels lebten, waren sie ein Zeichen, mit dem auch Friede und Schutz angeboten wurde. Und dieses Grundsymbol, dieses Zeichen nimmt Jesus, um mehr zu stillen als den Hunger, den der Magen spürt. „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ (Lk 4,4) Das sagt nicht nur Jesus, das merken wir selbst. Es gibt mehr als genug Menschen, die haben alles, was man sich denken kann, und kommen doch um vor Hunger: vor Hunger nach Liebe und Sinn, nach Geborgenheit und Wertschätzung. (Darüber haben wir am vorletzten Sonntag nachgedacht.)
Und diese Nahrung, die unser Menschsein so sehr braucht, dieses Erfüllt-sein des Herzens von Liebe: das will Jesus uns schenken, wenn er das Brot reicht und sagt: „Das ist mein Leib“. (1 Kor 11,24) Und im Johannesevangelium lesen wir die Worte Jesu: „Ich bin das Brot des Lebens.“ „Ich bin das Brot des Himmels“. (Joh 6,35)
Indem Jesus im Brot sich selber und damit seine ganze göttliche Liebe schenkt, möchte er unseren Hunger nach Gott stillen. Denn sinnvolles Leben, geliebt werden und lieben können, glücklich sein – das sind alles Namen und Andeutungen für die Erfahrung Gottes, für seine Gegenwart in uns.
Wenn wir uns zutiefst dessen bewusst werden, was da eigentlich in der Kommunion geschieht, das GOTT zu uns kommt, dass Jesus selbst eintritt in unser Leben – dann können wir uns eigentlich nur wundern über dieses Wunderbare.
Dieses Wunderbare ist jedoch nichts Zauberhaftes! Kein „hocus-pocus“ ! Da wird kein Kaninchen in den Zylinder gesteckt und heraus kommt eine Taube. Das sind Tricks, die mit Ablenkung und Geschicklichkeit zu tun haben.
Bei der Wandlung der Heiligen Messe wandelt nicht der Priester, sondern der Heilige Geist, der über die Gaben (und in unsere Herzen) herabgerufen wird. Der Priester ist dann sozusagen nur das Sprachrohr.
Wenn das Brot in den Leib Jesu und der Wein in das Blut Jesu – sprich: in das Leben Jesu – verwandelt wird: dann bleibt äußerlich das Brot Brot und der Wein Wein. Und doch ist von der Wandlung an alles anders. Es ist für uns anders! Für uns schenkt Jesus seinen Leib und sein Leben. Es ist ein Symbol, aber es ist nicht „nur“ ein Symbol. Es ist ein Zeichen mit der vollen Wirklichkeit, dass Jesus persönlich gegenwärtig ist. Sonst bräuchten wir keine Kniebeuge vor den Hostien und sonst wäre Fronleichnam eine Folklore.
Vom heiligen Kirchenvater Augustinus stammt das wunderschöne Wort:
„Empfangt, was ihr seid: Leib Christi – damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“
Wir sind nicht fertig! Wir sind im Werden. Auf jeden Fall werden wir anders. Ob wir auch neu werden? Neue Menschen? Jesus-Menschen?
Bin ich Jesus?“ hat mal ein Jugendlicher etwas provozieren gesagt, um anzudeuten, dass der Wunsch, der an ihn herangetragen wurde, seine Möglichkeiten überstieg.
Bin ich Jesus? Sind wir Jesus? Aus uns heraus sicher nicht. Aber gerade deswegen empfangen wir ihn ja in der Kommunion. Damit ER das in uns bewirken und hervorbringen kann, jene göttliche Liebe, zu der wir aus uns heraus nicht fähig sind. Damit ER in uns lebt und uns umwandelt zum Brot für die Welt.
„Empfangt, was ihr seid: Leib Christi – damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“
Wir selbst dürfen und sollen Leib Christi werden! Wir selbst dürfen Brot sein für die Welt. Mit ihm und durch ihn und in ihm! Wir – der Leib Christi?! Was für eine enorme Dimension des Glaubens! Das ist die eigentliche Wandlung!
Die Wandlung des Brotes dient dazu, dass WIR verwandelt werden. Dass wir dazu fähig werden, einander zu ernähren mit jener göttlichen Liebe, die wir selbst empfangen haben. Dass wir füreinander Jesus sein können.
Und dass dieses Geschenk Gottes bleibt – auch nach dem Gottesdienst. Diesen Glauben dürfen wir auch für die evangelischen Christen glauben. Nicht gegen sie! Es ist nicht anti-ökumenisch, wenn wir unsren Glauben an diese großartige persönliche Liebe Gottes anderen anbieten. Wenn wir etwas Positives nicht schenken, machen wir einander arm.
„Empfangt, was ihr seid: Leib Christi – damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“
Was hilft es, wenn Brot und Wein verwandelt sind, aber nicht wir Menschen?
Erinnern Sie sich noch an die etwas provokativen Worte von Lothar Zenetti, die wir zu Beginn der Messe gehört haben?
„Frag hundert Katholiken was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe. Frag hundert Katholiken was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung. Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist !“
Veränderungen machen oft Angst. Wenn von uns Veränderungen ausgehen sollen,
dann fühlen wir uns oft überfordert. Doch das Wunderbare, sozusagen das Wandelbare ist ja gerade in der Eucharistie, dass wir es nicht machen können und nicht machen müssen. Wir dürfen es an uns geschehen lassen, dass Jesus uns zu seinem Leib macht, wenn wir Ihn in unser Herz und in unseren Leib aufnehmen.
Keine Magie, sondern die verwandelnde Kraft göttlicher Liebe. Wenn wir und sobald wir Gottes Liebe in uns aufnehmen, sind wir schon nicht mehr dieselben. Dann sind wir schon verwandelte Menschen.
Diese göttliche Gegenwart in uns wirken zu lassen, dass sie hinein wirkt in unser Leben, dass es unsere Umwelt verwandelt, weil wir verwandelte Menschen sind – das ist der Auftrag, den wir empfangen, wenn es am Ende heißt: Geht hin in Frieden!“ Oder früher noch schöner: „Ite missa est!“ – Geht, Ihr seid gesandt (in die Welt, um sie zu verwandeln!)
„Empfangt, was ihr seid: Leib Christi – damit ihr werdet, was ihr empfangt: Leib Christi.“
Klaus Honermann
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Predigt am 19.06.2010
Never alone
Never alone – niemals allein: so lautet der Titel dieses Gottesdienstes. Der Wunsch eines jeden von uns: Nie allein zu sein, im Sinne von: nie einsam zu sein!
Ein Wunschtraum, der nie Wirklichkeit wird? Was ist aber dann von der Zusage Jesu zu halten, die wir eben im Evangelium hörten – sie steht am Ende des Matthäus-Evangeliums: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ ?
In den Fragen eben, welche die Fotos begleiteten, haben wir gehört: „Wann denke ich an Gott? … Wenn ich traurig bin? Wenn ich mich verlassen fühle? Und jemanden zum Reden brauche?“
Sicher! Wenn wir uns traurig fühlen und allein – dann ist die Sehnsucht am stärksten, jemanden an unserer Seite zu haben, der das Schwere mit uns teilt, damit wir es nicht mehr allein zu tragen haben. Das kann ein Freund sein, eine Freundin – oder eben Gott.
Fast würde ich sagen: Enttäuschung vorprogrammiert! Wenn wir von Gott erwarten, dass er unsere Erwartungen alle erfüllt – dann muss das fast zwangsläufig schief gehen. Dann ist es verständlich, dass jemand so etwas denkt, wie wir es zu Beginn der Messe gehört haben: „Ich bin enttäuscht von Gott. Er hat meine Oma sterben lassen. Ganz plötzlich Dabei habe ich so oft gebetet.“
Ein Freund, eine Freundin kann auch nicht all unsere Probleme lösen. Das erwarten wir auch nicht von ihnen. Wir können wohl erwarten, dass ein Freund uns gut zuhört.
Und so sagte jemand in den Anfangs-Statements: „Ich hab Gott vor zwei Jahren in Taizé kennengelernt. Jetzt ist er ein guter Freund für mich. Ich kann ihm alles erzählen.“
Ja, wir können Gott alles erzählen. Und er nimmt uns ernst. Aber er nimmt uns die Probleme nicht einfach ab. Gute Eltern und Erzieher würden das auch nicht tun, weil wir dann nicht selbstständig werden, sondern auf der Ebene unreifer Kinder.
Und so ist die Meinung: „Wer auf Gott vertraut, nimmt sein Leben nicht selbst in die Hand, sondern gibt die Verantwortung ab.“ zwar ein möglicher Gedankengang, aber ganz bestimmt nicht ein reifer Glaube und auch nicht die Weise, wie Gott mit uns lebt.
Never alone. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt – wie können wir das verstehen?
Schauen wir uns noch mal einige andere Meinungen an, die wir zu Beginn hörten! Jemand sagt: „Ich glaube nicht an Gott. Meine ganze Familie glaubt nicht an Gott. Wofür brauche ich Gott?“
Wenn wir statt Gott FREUND einsetzen, dann klingt das so: Ich glaube an keinen Freund. Meine ganze Familie hat keinen Freund. Wofür brauche ich einen Freund?
Wahrscheinlich würden wir erschrecken, wenn jemand so etwas sagt und diesen Menschen bedauern, weil so viel Beziehungslosigkeit aus diesen Worten spricht. Und in der Beziehung zu Gott ist es im Grunde nicht anders. Es geht –bei einem guten Verhältnis zu ihm – um eine Beziehung! Nicht so als ob wir Gott gebrauchen wie einen Süßigkeits-Automaten. Oben Gebet rein – unten die erwünschter Ware raus. Wenn wir in einem solchen Verständnis eine Freundschaft leben würden, dann würde der Freund oder die Freundin schon bald sagen: Hallo! Ich lasse mich nicht einfach gebrauchen und verbrauchen. Das ist Missbrauch.
Never alone? – wenn jemand Gott versteht als eine unpersönliche Kraft als „eine Macht, die zum Beispiel bei der Entstehung des Universums mitgewirkt hat.“ und sagt: „Diese Kraft ist für mich auch in der Musik. Oder in der Natur.“ – dann brauchen wir in einem solchen Glauben zwar nicht mit den Herausforderungen und Verständnisschwierigkeiten leben, welche die Bibel mit sich bringt. Aber: never alone? Wohl kaum. Denn die Schönheit der Natur oder der Musik mag faszinieren und Kraft geben – aber war ist im Augenblick unseres Todes? Ich selbst wünsche mir keinen Gott, der keinen Namen hat, der keine Person ist. Ein Freund, eine Freundin hat einen Namen, ist Person. Damit haben wir eine persönliche Geschichte.
Und zu einer persönlichen Geschichte gehört auch, dass wir von einander enttäuscht sein können. In einer Enttäuschung können wir neu auf einander zu gehen.
Übrigens: Ob Gott nicht manchmal auch von uns enttäuscht ist? Wahrscheinlich. Und Jesus sagt uns: dass Gott uns dann nie fallen lässt, nie allein lässt, weil er frustriert von uns ist.
Aber wird da nicht zu viel von uns erwartet? Eine Stellungnahme lautete, dass Gott eine unerreichbare Vorbildfunktion ist. Vielleicht ist damit ja auch Jesus gemeint. Denn Gott selbst muss ja unerreichbar sein, sonst wäre er nicht Gott. Aber er will uns nicht erdrücken und klein machen. Wenn wir ständig an unerreichbaren Zielen gemessen werden, dann müssen wir uns sehr einsam und allein vorkommen. Denken wir nur einmal an den Torwart Robert Enke, der sich deshalb das Leben genommen hat. Gott aber möchte, dass wir uns zwar Ziele setzen, die uns Jesus im Evangelium vorgelebt hat, aber dass wir dadurch freie und offene Menschen werden – und nicht unterdrückte, niedergedrückte Wesen.
Never alone. Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt! Bei unseren Erfolgen und Misserfolgen, bei unseren Fragen und Protesten, in Gesundheit und Krankheit ist Gott uns ganz nahe: in unserem Herzen, durch gute Freunde, mit seinem Wort.
Er lässt uns nicht allein, auch wenn er nicht immer unseren Wünschen entspricht. Er lässt uns nicht allein, wenn das Leben große Herausforderungen für uns bereit hält. Er nimmt uns die Aufgaben nicht ab, aber er ist an unserer Seite und in steht hinter uns, damit wir den Weg weiter gehen können.
Wie sagte noch der Nationalspieler Cacau neulich in einem Interview: „Ich will aus jeder Situation etwas lernen, ob sie gut ist oder schlecht. In der Bibel gibt es einen schönen Spruch: Wer Gott liebt, dem dient alles zum Besten. Wenn man mit dieser Einstellung sein Leben lebt, dann kann man viele Dinge besser verkraften.“
Never alone.
Es gibt ein Lied mit einem ähnlichen Titel, das von vielen Fußballfans gesungen wird: You'll Never Walk Alone. Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen Und du wirst niemals alleine gehen Du wirst niemals alleine gehen ...
Klaus Honermann
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Predigt am 06.06.2010
WORAUS SOLLEN WIR LEBEN – NAHRUNG FÜR DIE SEELE
Es gibt immer mehr übergewichtige und zugleich immer mehr magersüchtige Jugendliche: Anzeichen dafür, dass im Land mit den meisten Brotsorten der Welt irgendetwas mit der Ernährung nicht stimmt. Die einen futtern sich zu Tode und die andern hungern sich zu Tode. Jedenfalls stehen manche kurz davor.
Wir leben offenbar nicht nur von Mehrkornbrötchen und Weltmeisterbrot, von Ciabatta und Croissant.
Woraus leben wir, damit nicht der Magen voll ist und die Seele hungert? Die Seele lässt sich nicht abspeisen mit immer noch mehr Konsum. Der Hunger nach Geliebtsein und Anerkanntsein lässt sich nicht abspeisen mit gameboys, einem größeren Auto oder Alkohol.
Martin Patzek erzählt: Aus dem Fenster eines schwer bombardierten Hauses reichte man uns ein Stück Brot. Es war eine Kostbarkeit, über die wir in Tränen ausbrachen. In Tränen des Dankes. Ich musste dieses Stück Brot in vier Teile brechen. Jeder sollte wenigstens ein paar Bissen bekommen, die uns retteten. Buchstäblich retteten. Denn es war die letzte Station einer grausigen Odyssee – 1945. Ohne diese wenigen Bissen hätten wir wohl die letzte Etappe nicht erreicht, ausgemergelt, erschöpft, entkräftet, wie wir waren …
Dieses Stückchen Brot, das die Flüchtlinge am Ende des Krieges erhielten und mit einander teilten, hat nicht nur dem Magen etwas Nahrung zugeführt. Es hat vor allem den Geist am Leben erhalten; es hat die Hoffnung genährt durchzukommen; es hat die Seele genährt durch die Erfahrung, dass Menschen, die auch Not leiden, andere Not sehen und geben, was sie können.
In Not- und Krisenzeiten, tritt offenbar deutlicher hervor, was Leben bedeutet, und was den Sinn unseres Daseins ausmacht. Daher noch eine Erfahrung aus diesem harten Jahr 1945: Eine alte lettische Frau nahm sich 1945 deutscher Soldaten an, die in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten waren. Sooft sie konnte, ließ sie ihnen ein Stück Brot zukommen. Dabei wurde sie eines Tages erwischt. Sie wurde vor den sowjetischen Lagerchef zitiert. Der fuhr sie schroff an: „Hast Du nicht gelesen, dass es strengstens verboten ist, den Kriegsgefangenen Lebensmittel zu geben?“ Die Frau nickte gelassen, ehe sie antwortete: „Herr Lagerkommandant, ich habe nicht irgendwelche Lebensmittel gegeben, ich habe Brot gereicht.“ (Eigentlich könnte ich an dieser Stelle die Erfahrung enden lassen: „Ich habe nicht irgendwelche Lebensmittel gegeben, ich habe Brot gereicht.“ Das Erlebnis, von G. Heinemann erzählt, geht folgendermaßen weiter:) Das sei ja schließlich einerlei, fauchte der Mächtige zurück. „Sag, hast du gewusst, dass es verboten ist, ja oder nein?“ Die alte lettische Frau überlegte einen Moment, ehe sie antwortete, dabei dem Lagerchef direkt in die Augen blickend: „Ich habe gelesen, dass angeschrieben steht, es sei verboten. Aber man darf nicht verbieten, unglücklichen Menschen zu helfen.“ Der Russe, gefährlich leise, fragte zurück: „Heißt das, dass Du ihnen auch weiterhin Brot geben wirst?“ Die alte Frau sah ihm erneut in die Augen: „Genosse Direktor, hören Sie mir bitte mal ganz gut zu. Als die Deutschen die Herren waren, brachten sie russische Kriegs-gefangene hierher zur Arbeit. Die litten große Not und ich habe ihnen Brot gegeben. Dann brachten sie Juden hierher, die hatten auch großen Hunger und ich habe ihnen Brot gegeben. Jetzt sind die Deutschen die Unglücklichen und leiden Hunger, und ich gebe ihnen Brot. Und wenn Sie, Genosse Direktor, eines Tages das Unglück haben sollten, Gefangener zu werden und Hunger zu leiden, dann werde ich auch Ihnen Brot reichen.“ Die alte Frau ließ den Lagerchef stehen, drehte sich um und ging.
Mit dem Brot gab die alte Frau den Gefangenen ihre Würde als Menschen zurück.
In der Lesung des heutigen Sonntags begegnet uns auch eine arme Frau: Die Witwe von Sarepta. Der Prophet Elija verlangt ihr viel ab. Eigentlich Unmögliches. Sie, die selbst nichts hat, soll ihm Brot geben. Sie könnte ihn fragen: Und wovon sollen wir dann leben? Aber über den Punkt ist sie hinaus. Vor dem Sterben will sie noch ein letztes Mahl zubereiten. Die Zusage des Propheten, dass dann der „Mehltopf nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen wird“, klingt wie im Märchen. Aber nicht deswegen gibt die Frau von dem Letzten, was sie hat. Sie tut einfach, was der Prophet ihr aufträgt. Vielleicht hatte er eine solche Autorität ausgestrahlt, dass die Frau gar nicht anders konnte.
Und dann die tödliche Krankheit des Sohnes, der keine Luft mehr hat zum Atmen. Der verzweifelte Schrei der Frau ist erstaunlich: „Du bist nur zu mir gekommen, um an meine Sünde zu erinnern und meinem Sohn den Tod zu bringen.“ Durch die Gegenwart des Gottesmannes sieht sie sich an eine vergangene Schuld erinnert und sieht in dem Ganzen eine Strafe Gottes. Doch Elija bringt von Gott her Leben und nicht Tod.
Was kann uns diese Geschichte aus Sarepta sagen? Was kann sie uns sagen im Hinblick auf die Frage nach der Quelle, aus der wir Kraft schöpfen; woraus unsere Seele Nahrung erhält? Mir fällt auf, dass die Frau g i b t – und das, obwohl sie selbst am Ende ist. In diesem Geben füllt sich der Krug ihres Lebens immer wieder auf. Darauf spielt das Sprichwort an: „Geben ist seliger als nehmen.“ Doch Vorsicht! Es droht das bourn-out-syndrom; das totale Ausgebranntsein. Und dann können wir gar nicht mehr geben. Unsere Seele braucht Erholung und Nahrung! Dringend.
Ein fröhliches Mädchen, genannt Lena, das unverkrampft ihre Freude am Leben in die Welt hinaus singt (und dies schlicht und mit einem Taizé-Kreuz um den Hals) – tut allen gut. Nicht nur den Deutschen, die jetzt fühlen: „Wir sind Lena“ – nachdem „Wir sind Papst“ nicht mehr zieht. Es ist Nahrung für die Seele, wenn wir echten und begeisterten Menschen begegnen.
Und da ist einer, an dem genau das festzustellen ist: er ist ganz er selbst. Christus gibt sich, wie er ist, und er gibt sich selbst. Und er sagt: Ich bin da für Euren Hunger nach Leben und Liebe. Genau dafür bin ich da. Ich möchte Euch neue Kraft geben. Und dafür hat er das Zeichen des Brotes gewählt: Grundnahrung. Wörtlich sagt er: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“
Wenn wir die Liebe Gottes in uns aufnehmen, die uns in diesem Bot angeboten ist, dann kann diese Liebe uns erfüllen und neue Kraft geben. Dann kann es uns die Kraft geben für den nächsten Schritt. Wenn uns bewusst wird: Gott verzehrt sich so sehr nach Liebe zu uns, dass er sich buchstäblich verzehren lässt – dann stillt das genau jenen Hunger danach, geschätzt und anerkannt zu werden; Hunger nach Liebe und Geborgenheit, nach der sich jede Seele ausstreckt. Und so können wir unser Herz und unsere Hände ausstrecken, um nicht weniger als Gott selbst aufzunehmen in uns. Wenn wir nicht Gott selbst in uns aufnehmen, bleibt unser Inneres letztlich leer. Und alle anderen Angebote von Erfüllt-werden, erweisen sich später als nicht ausreichend. Wir dürfen uns nicht abspeisen lassen. Wir brauchen die Speise, die Gott selbst ist.
Dass Gott selbst in diesem unscheinbaren Zeichen von Bot zu uns kommt, ist eine Sicht des Glaubens. Wir dürfen uns glücklich schätzen, wenn sie uns gegeben ist.
Wir haben nicht nur die Möglichkeit zu erleben: „Wir sind Lena“, sondern wir können auch sagen – wenn wir Christus im Zeichen des Botes verzehren: „Wir sind Christus“.
Wenn das eine schon toll ist, ist es das andere dann nicht erst recht?
Klaus Honermann
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Fronleichnam: 03.06.2010
Wir feiern den „Leib des Herrn“. Wir feiern den ganzen Jesus Christus, den wir in jeder heiligen Kommunion empfangen dürfen. Ganz offiziell heißt dieses Fest: Hochfest des Leibes und Blutes Christi. In ganz besonderer Weise feiern wir an diesem Fest die Eucharistie. So könnten wir dieses Fest auch „Hochfest der Eucharistie“ nennen. „Eucharistie“ – „Danksagung“. Wenn wir „Eucharistie“ feiern, sagen wir Danke. Wem sagen wir Danke? Wofür sagen wir Danke?
In Jesus Christus kam, so glauben wir, Gott selbst auf diese Welt. Gott selbst ist richtig Mensch geworden: zuerst als kleines Baby – nicht in einem Krankenhaus oder in einer schönen Wohnung, sondern unter ärmlichsten Verhältnissen: Er wurde Flüchtlingskind, Asylbewerber in Ägypten. Gott als Asylbewerber! Er kam nicht in Glanz und Gloria, wie die Menschen in der Antike sich die Göttersöhne vorstellten . Und wie schmachvoll und grässlich er gestorben ist, am Kreuz unter Schmerzen – das wissen wir alle aus der Bibel. Aus den Berichten, die Zeugen damals aufgeschrieben haben. Gott als Justizopfer! Und das alles hatte er gar nicht nötig, das alles hat Jesus, der Sohn Gottes ganz freiwillig gemacht – nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil er uns Menschen helfen wollte. Er wollte uns Menschen zeigen, wie groß die Liebe Gottes zu den Menschen ist, wie lieb Gott uns hat. Sollte er nicht erwarten dürfen, dass auch wir ihn lieben? Wie oft wird er in dieser Erwartung getäuscht! Und er wollte uns zeigen, was Liebe tun kann, was man tun kann, wenn man den Mitmenschen liebt. Nicht wie es so oft bei Kindern heißt: „haust du meine Puppe, zertrampel ich dein Auto“, sondern „komm, iss mit mir, lass uns zusammen etwas Sinnvolles machen“. Jesus wusste, woher die ganzen Kriege in der Welt kommen, warum sich Menschen gegenseitig ihre Welt und ihr Leben zerstören? Weil nicht genug Liebe da ist! Jesus hat es wirklich gut gemeint und hat es ernst gemeint, und wenn alle ihm folgen würden – das Leben wäre so herrlich, wie Gott sich das bei der Erschaffung der Welt wohl gedacht hat. Ist das nicht ein Grund ihm zu danken? Er hätte doch gar nicht nötig gehabt, Mensch zu werden, sich kreuzigen zu lassen, für uns. Aus Liebe zu uns, um uns zu helfen, um uns zu erlösen.
Und dann hat Jesus noch etwas gemacht, für das wir ihm einfach danken müssen. Vielleicht hatte er darüber nachgedacht, wie er bei den Menschen bleiben kann – und trotzdem zum Vater zurückkehren kann. Und da hat er, als er zum letzten Mal mit seinen Freunden zusammen saß, am Abend, bevor sein Leiden begann, Brot genommen und Wein genommen. Dann hat er beides gesegnet – so wie heute der Priester gleich in der heiligen Wandlung Brot und Wein segnet - und dann hat er seinen Freunden, den Aposteln, davon zu essen und zu trinken gegeben; und hat ihnen zu verstehen gegeben: Was ihr da zu euch nehmt, das ist nicht irgend ein x-beliebiges Stück Brot, das ist nicht irgendein Schluck Wein: das bin ich; das bin ich mit Fleisch und Blut, ganz und gar. Und wann immer ihr zusammen seid, das gesegnete Brot esst, den gesegneten Wein trinkt, sollt ihr wissen: das bin ich, das ist mein Leib, Leib des Herrn, Fronleichnam. Verstehen können wir das nicht, aber glauben dürfen wir es. Anstoß daran haben die Menschen von Anfang an genommen. Schon die Zeitgenossen Jesu haben Anstoß genommen. „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Und bis heute, heute vielleicht mehr denn je, glauben viele Menschen, auch Christen, auch Katholiken nicht mehr an die tatsächliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie, das heißt in der Messfeier und der heiligen Kommunion. Man hält das Ganze eher für Symbolik, für eine Gedenkfeier. Man glaubt nicht, dass Gott, der Sohn Gottes hier tatsächlich zugegen ist. Aber verniedlichen, verkleinern wir damit nicht das Geheimnis der Eucharistie? Wieso sollten wir uns an ein Abendessen von 13 Männern in Jerusalem vor 2000 Jahren erinnern, warum sollten wir das täglich feiern, wenn alles nur Symbolik, Gedächtnis ist? Nein, S+B, für mich und Gott sei Dank auch immer noch für Millionen Christen in der Welt steht die reale Gegenwart Jesu Christi in der konsekrierten Hostie, im konsekrierten Wein fest: Es ist ein schönes Geheimnis des Glaubens, für das wir Dank sagen dürfen – Eucharistie, Danksagung, Leib des Herrn, Fronleichnam. Singen wir zum Schluss aus dem Gotteslob die Nr. 634: Ein Danklied sei dem Herrn. Amen
Diakon Ekkehard Liesmann
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Dreifaltigkeitssonntag- C , 30. Mai 2010
Warum das Thema Eucharistie? Was ist daran so wichtig? Was ist daran so wichtig für uns?
Liebe Gemeinde,
Im liturgischen Jahr ist die Osterzeit jetzt vorbei, wir befinden uns im so genannten Jahreskreis. Der Jahreskreis, man könnte diese Zeit auch die „Normale“ Zeit nennen, widmet sich dem Wachstum des christlichen Lebens.
Heute feiern wir Dreifaltigkeit-Sonntag. Und ab heute beginnt unsere Predigtreihe zur Eucharistie. In den kommenden fünf wochen soll uns dieses Thema beschäftigen, die das Mittelpunkt unseres christlichen Lebens ist: „Die Kirche lebt von der Eucharistie”.
Aber warum steht am Anfang dieser „normalen“ Zeit ein so geheimnisvolles Fest, wie der heutige Dreifaltigkeits-Sonntag? Und warum machen wir uns Gedanken über die Eucharistie, warum meditieren wir dieses „Geheimnis des Glaubens“? Dreifaltigkeit und Eucharistie - alles andere als „normal“, eher etwas abgehoben, mit theologischem und philosophischem Tiefgang. Warum dieses Fest der Heiligen Dreifaltigkeit oder auch Fronleichnam als Fest der Eucharistie am Beginn der liturgischen Zeit des gesunden Wachsens?
Vielleicht kann uns der französische Dichter Saint-Exupery weiterhelfen. Er sagt: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Leute zusammen und verteile Aufgaben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach der unendlichen Weite des Meeres. Die Kirche führt uns die unendliche Weite dessen vor Augen, den wir Gott nennen. Gott, unendlich und gewaltig wie das Meer. Wenn uns das Geheimnis der Liebe Gottes richtig gepackt hat, wenn wir Sehnsucht nach Gott und Eucharistie haben, dann hat unser Glaube Grund und Motivation zu wachsen.
Der heilige Augustinus versucht das Geheimnis des Glaubens zu verstehen. Es heißt, Gott zeigt ihm durch ein Kind die Tiefe von diesem großen Geheimnis. Ein Geheimnis, das auch Augustinus nicht ausschöpfen konnte. Wie Augustinus werden auch wir das “Wie”, das Geheimnis der Eucharistie letztlich nie verstehen. Vielleicht fällt es uns leichter, das „Warum“ zu verstehen. Warum muss es so sein? Und warum hat uns Gott dieses Geheimnis geoffenbart? Warum lebt Gott mitten unter uns in der Gestalt des Brotes - in der Eucharistie. Menschlich gesprochen: Er hat sich sicher etwas dabei gedacht! Immerhin sind wir nach seinem Ebenbild geschaffen, wir sind Gott ähnlich. Und je mehr wir von Gott verstehen, desto mehr verstehen wir von uns selbst. Weil wir der Leib Christi sind.
Wenn ich an die Heilige Eucharistie denke, kommt mir in den Sinn das erhobene Heilige Brot vom Priester während der Wandlung. Dieses Bild hat sich mir schon als Kind eingeprägt. Ich bin geboren und aufgewachsen in einer streng katholischen Familie. Meine Eltern haben fast jeden Tag an der hl. Messe teilgenommen. Als Kind habe ich auch zusammen mit meinen Geschwistern unsere Eltern begleitet. Ich durfte immer vorne in der Kirche vor dem Altar sitzen und die Eucharistie erleben. Für mein ganzes Leben hat sich mir dieses Bild in mein Denken und meine Seele eingeprägt.
Wenn jemand mich fragt: Was ist die kostbarste Gabe, das tiefste Geschenk, das Jesus uns, der Menschheit hinterlassen hat? Dann würde ich sagen: es ist die Gabe der Eucharistie, dass ER sich selbst schenkt in Brot und Wein.
Befragungen unter Katholiken in den letzten Jahren ergaben: Eine erhebliche Anzahl glaubt nicht mehr an die tatsächliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie, das heißt in der Messfeier und der heiligen Kommunion. Man hält das Ganze eher für Symbolik, für eine Gedenkfeier. Man glaubt nicht, dass Gott, der Sohn Gottes hier tatsächlich zugegen ist.
Wie ist das mit uns? Immerhin: wir sind Kinder unserer Zeit und des Denkens unserer Zeit. Wir haben erlebt, dass bei einem Gottesdienst jemand die Hostie in die Tasche gesteckt hat, offenbar aus Unkenntnis. Er lief einfach den anderen hinterher und wusste mit der Gabe Gottes nichts anzufangen. Wissen wir immer etwas anzufangen mit der hl. Kommunion, bringen wir ihr die notwendige, wirklich „Not-wendige“ Ehrfurcht entgegen?
Um uns dem Geheimnis der Eucharistie nähern zu können, müssen wir Jesus fragen: Warum gabst Du uns vor allem anderen dieses Sakrament? Wir finden seine Antworten in den Evangelien. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“, sagt Jesus und macht damit deutlich, in welcher Weise Er bei uns bleiben will, bis ans Ende der Zeiten. Er zeigt uns, wie Er schon in unserem irdischen Leben mit uns in Verbindung bleiben will, ohne dass wir deswegen schon bei Ihm im Himmel sein müssen. Die Juden, so heißt es im Johannes-Evangelium weiter, stritten untereinander und sagten: „Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ Wie ist das mit uns? Sind wir sicher, dass wir treu zur Lehre der Kirche stehen, zu dem, was wir glauben dürfen?
Im Mai wird uns die Mutter Gottes als Vorbild vorgestellt. Maria ist das Urbild der Kirche. Maria gibt uns ein Beispiel, wie wir an die Eucharistie, das heißt an die tatsächliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament glauben können. So nah wie kein anderer Mensch lebte sie mit ihrem göttlichen Sohn. Ihre Augen sahen das hilflose Baby, das heranwachsende Kind, den jungen Erwachsenen – aber was sah ihr Glaube? Sie glaubte fest, dass dieses Kind, dieser junge Mann nicht nur Mensch war. Sie glaubte an seine Göttlichkeit, weil ihr Geist hinter den Schleier der rein irdischen Existenz sehen konnte. Der Glaube durchbricht das Naturgebundene. Der Glaube begreift, was die Sinne nicht fassen können, was auch der beste Verstand nicht ergründen kann. Die Kirche spricht vom Lumen Fi-de-i, vom Licht des Glaubens. Maria sah dieses Licht, sie sah in diesem Licht nicht nur das hilflose, sprachlose Baby, sondern das Wort Gottes, das Fleisch geworden war. Sie sah und glaubte.
Wir können, wir müssen von Maria lernen, wenn wir die heilige Eucharistie in der rechten Weise verehren möchten. Wie sie müssen wir uns dem Sakrament mit einem unerschütterlichen, einfachen Glauben nähern. Die heidnische, nur auf den Verstand setzende, post-moderne Gesellschaft will uns weismachen, dass die Eucharistie eine Illusion, ein Traum ist. Wir müssen durch den Schleier hindurchblicken, durch den Vorhang dessen, was uns der Verstand vorgaukelt. Es gibt mehr, als wir sehen können, es gibt mehr, als was wir anfassen, was unsere Sinne wahrnehmen können. Glaube ist mehr, als Wissen.
Maria, das Urbild der Kirche und unseres Glaubens. Wir sollten sie bitten: „Maria, du Vorbild des Glaubens, bitte für uns, dass unser Glaube deinem Glauben immer ähnlicher wird.“ Geheimnis des Glaubens. Amen
Bitten wir den Herrn, dass dieses allergrößte Sakrament für uns niemals zur einer Gewohnheit werde, sondern stets Ursache unseres „Staunens” und Quelle unserer aufrichtigen und großmütigen Bereitschaft sei, die Kirche aufzubauen. Amen.
Pater Antony Mooleparambil CMI
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DER GEIST DER HOFFNUNG – Pfingstpredigt 2010
Das „Kap der guten Hoffnung“ wurde im Jahr 1488 wurde vom portugiesischen Kapitän Bartolomeu Diaz entdeckt, als er die Südspitze Afrikas umrundete. Endlich gab es berechtigte Hoffnung, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Es heißt auch Kap der Stürme. In stürmischen Zeiten auf dem Meer des Lebens und des Glaubens brauchen wir ein „Kap der guten Hoffnung“, brauchen wir dringend Hoffnungszeichen.
So ist es ein gutes Zeichen, dass der ökumenische Kirchentag in München in diesem Jahr unter dem Leitwort stand: „Damit ihr Hoffnung habt“
Im Römerbrief sagt uns der Apostel Paulus: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben, damit ihr reich werdet an Hoffnung in der Kraft des Heiligen Geistes.“ (15,13)
Unter den verschiedenen Gaben, die uns der Heilige Geist schenken kann, ist an diesem Pfingstfest die Hoffnung vielleicht am wichtigsten: die Hoffnung, dass Kirche mehr ist als der „hoffnungsloser Fall“ einer religiösen Institution. Ich jedenfalls habe die Hoffnung, dass durch die gegenwärtige, schmerzliche Krise der Kirche diese nicht nur gereinigt wird, sondern auch klarer zu dem hinfindet, was sie von ihrem Wesen her ist. Dass durch diese Krise auch unzeitgemäße Strukturen reformiert werden. Veränderungen kommen manchmal erst durch Leidensdruck zustande.
Keine Hoffnung zu haben, kann sich tödlich auswirken:
Ein Mann wurde abends aus Versehen in ein Kühlhaus eingeschlossen. Er wusste, dass bis zum nächsten Morgen niemand mehr kommen würde. Dies, so glaubte er, sei sein Todesurteil. Er hatte keine Hoffnung, eine ganze Nacht lang bei solch extremer Kälte überleben zu können, und schrieb an seine Familie einen Abschiedsbrief. Am nächsten Morgen fand man ihn tot auf. Sein Tod war jedoch allen Beteiligten unverständlich. In der Nacht war die Kühlanlage ausgefallen, und eigentlich hätte er überleben können müssen. Er war an seinem Glauben gestorben, keine Überlebenschance zu haben. Er hatte die Hoffnung aufgegeben und sich damit zum Tod verurteilt.
Hoffnung können wir nicht kiloweise im Supermarkt kaufen. Es ist – wie wir eben sagten – eine Gabe, ein Geschenk des Heiligen Geistes. Und dennoch können wir etwas dafür tun, dass dieses Geschenk bei uns ankommt. Wenn der Apostel Paulus für die Gemeinde in Rom darum bittet, dass sie reich werde an Hoffnung, dann können wir das genau so tun. Den „Gott der Hoffnung“ darum bitten, dass unsere Hoffnung stark bleibt!
Es gibt zwar das Sprichwort „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, aber ich halte die Formulierung von Bischof Casaldaliga für besser: „Die Hoffnung ist die, welche zuerst wieder aufersteht.“ Denn auch die Hoffnung kann sterben. Aber durch Gottes Geist kann sie neu belebt werden.
Was ist eigentlich HOFFNUNG? Es ist ja mehr damit gemeint, als dass es heute schönes Wetter gibt, der Kaffeeklatsch nett wird oder ich im Lotto gewinne.
Papst Benedikt schreibt in seinem Rundschreiben über die Hoffnung:
„Hoffnung ist in der Tat ein Zentralwort des biblischen Glaubens; so sehr, dass die Wörter Glaube und Hoffnung an verschiedenen Stellen als austauschbar erscheinen… Paulus erinnert die Epheser daran, wie sie vor ihrer Begegnung mit Christus ‘ohne Hoffnung und ohne Gott in der Welt‘ waren (Eph 2,12). Natürlich weiß er, dass sie Götter hatten, dass sie Religion hatten, aber ihre Götter waren fragwürdig geworden, und von ihren widersprüchlichen Mythen ging keine Hoffnung aus. … (Paulus sagt) zu den Thessalonichern: Ihr sollt nicht traurig sein ‘wie die anderen, die keine Hoffnung haben’ (1 Thess 4,13). Auch hier erscheint es als das Unterscheidende der Christen, dass sie Zukunft haben: Nicht als ob sie im Einzelnen wüssten, was ihnen bevorsteht; wohl aber wissen sie im Ganzen, dass ihr Leben nicht ins Leere läuft. … Wer Hoffnung hat, lebt anders; ihm ist ein neues Leben geschenkt worden.“
Genau das belegt die Lebensgeschichte einer Afrikanerin:
„ Giuseppina Bakhita … war ungefähr 1869 in Darfur im Sudan geboren. Mit neun Jahren wurde sie von Sklavenhändlern entführt, blutig geschlagen und fünfmal auf den Sklavenmärkten des Sudan verkauft. Zuletzt war sie als Sklavin der Mutter und der Gattin eines Generals in Diensten und wurde dabei täglich bis aufs Blut gegeißelt, wovon ihr lebenslang 144 Narben verblieben. 1882 wurde sie schließlich von einem italienischen Händler für den italienischen Konsul gekauft … Hier lernte Bakhita schließlich nach so schrecklichen ,,Patronen’’, denen sie bisher unterstanden war, einen ganz anderen ,,Patron’’ kennen. ,,Paron’’ nannte sie in dem venezianischen Dialekt … den lebendigen Gott, den Gott Jesu Christi. … Nun hörte sie, dass es einen … Herrn aller Herren und dass dieser Herr gut ist, die Güte selbst. Sie erfuhr, dass dieser Herr auch sie kennt, auch sie geschaffen hat – ja, dass er sie liebt. ... Ja, dieser Patron hatte selbst das Schicksal des Geschlagenwerdens auf sich genommen … Nun hatte sie ,,Hoffnung’’ – nicht mehr bloß die kleine Hoffnung, weniger grausame Herren zu finden, sondern die große Hoffnung: Ich bin definitiv geliebt, und was immer mir geschieht – ich werde von dieser Liebe erwartet. Und so ist mein Leben gut. … So weigerte sie sich, als man sie wieder in den Sudan zurückbringen wollte; sie war nicht bereit, sich von ihrem ,,Paron’’ noch einmal trennen zu lassen. … 1890 wurde sie getauft und gefirmt und empfing die erste heilige Kommunion … 1896 legte sie in Verona die Gelübde der Canossa-Schwestern ab und hat von da an – neben ihren Arbeiten in der Sakristei und an der Klosterpforte – vor allem in verschiedenen Reisen in Italien zur Mission zu ermutigen versucht: Die Befreiung, die sie selbst durch die Begegnung mit dem Gott Jesu Christi empfangen hatte, … die Hoffnung, die ihr geworden war und sie ‘erlöst‘ hatte, durfte sie nicht für sich behalten; sie sollte zu vielen, zu allen kommen.“ (Enzyklika Papst Benedikt über die Hoffnung)
Eine solche Lebensgeschichte macht als Ganzes und im Extrem deutlich, was uns unser Glaube schenken kann. Gerade in stürmischen Zeiten dürfen wir – um es mit diesem Bild zu sagen – das „Kap der guten Hoffnung“ nicht aus dem Blick verlieren.
Als die Finanzierung der Sanierung des Ludgerus-Kindergartens sehr unsicher geworden war, haben wir gesagt: Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben. Aber wir haben nicht einfach abgewartet, sondern ganz viele Gespräche geführt. „Es ist gesünder, zu hoffen und das Mögliche zu schaffen, als zu schwärmen und nichts zu tun.“ sagt Gottfried Keller.
Es ist zu wenig, nur zu hoffen, dass der Urlaub schön wird und mein Verein die Meisterschaft gewinnt – so schön das auch ist. Wir brauchen die große Hoffnung, dass unser Leben Sinn hat und in der Ewigkeit vollendet wird. Frohe Kinder, zufriedene Senioren und ökumenische Kirchentage sind gute Wegbegleiter auf dem Weg der Hoffnung. Amen.
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Predigt 24.01.2010 „Das HEUTE Gottes in der Katastrophe von Haiti“
10 Tage nach dem fürchterlichen Erdbeben in Haiti – wie feiern wir da Gottesdienst? Wie stehen wir vor Gott? Wie steht Gott vor uns?
Wie steht Gott vor uns? Für viele Menschen ist durch das Erdbeben auch das Bild von Gott erschüttert. Kann es ein liebender Gott sein, der Hunderttausende durch eine nicht von Menschen verursachte Naturkatastrophe in den Tod reißen lässt? Wieso hat Gott die Welt, seine Welt so unvollkommen gemacht? Sieht er all diesem Leid ungerührt zu? „Was hat ‚der da oben‘ sich eigentlich dabei gedacht“ – so fragen Viele. Fragen über Fragen!
Das Ausmaß dieser Katastrophe macht besonders betroffen. Es weckt auch die Hilfsbereitschaft wie selten. Und die Katastrophe ist ja nicht beendet, wenn alle Opfer geborgen und Häuser neu aufgebaut sind. Die Spätfolgen werden enorm sein: sowohl die seelischen Traumata der Betroffenen als auch die Zerstörung sozialer Strukturen. Eine einzelne Tatsache kann dies verdeutlichen: Bei dem Erdbeben ist nicht nur der Erzbischof gestorben, sondern auch 40 Priesteramtskandidaten. Ein erheblicher Aderlass für die Gemeinden: nach einer Katastrophe braucht es u.a. gerade auch Seelsorger, um einen neuen Zusammenhalt der Gemeinschaften aufzubauen.
Was ist also mit Gott und seiner Welt? Vielleicht hilft es uns, klarer und objektiver zu sehen, wenn wir ein Unglück von geringerem Ausmaß in den Blick nehmen. Etwa eine Schneelawine, von der einige Menschen verschüttet werden. Auch da sterben Menschen in Folge eines Naturereignisses. Für die jeweiligen Familien bricht auch da meistens eine Welt zusammen: ihre Zukunftspläne sind zerstört und womöglich bleiben Kinder zurück. Für die Betroffenen ist das nicht weniger tragisch als für die Opfer des Erdbebens.
Unser Empfinden ist voller Mitgefühl für die Opfer und Angehörigen. Unser Verstand sagt: So ist die Natur. Ein schrecklicher, bedauerlicher Unfall, aber nicht „böse“. Böse kann nur der Mensch sein, wenn er voller Hass andere tötet wie z.B. die Terroristen. Die Schöpfung ist nicht böse – sie ist unvollkommen und unfertig – wie wir Menschen auch.
Durch das ungeheure Ausmaß des Erdbebens empfinden wir es fast wie eine Bösartigkeit. Dabei sagt uns die Naturwissenschaft: es haben sich Erdplatten gegen einander geschoben und dadurch ist die Erde sozusagen aufgebrochen. Die Konsequenzen – zumal in einem ohnehin so armen Land wie Haiti – sind schrecklich.
Dass es keine guten Infrastrukturen gibt, dass es diese Armut in Haiti gibt – das sind Folgen menschlichen Handelns. Rücksichtslosigkeit und Gewalt sind menschliche Reaktionen. Ebenso wie die enorme Welle von Hilfe und Spenden eine menschliche Tat ist.
Noch einmal also unsere Frage: Warum ist die Schöpfung so unvollkommen, so unfertig, wenn Gott doch vollkommen ist. Kann seine Schöpfung nicht auch vollkommen sein – ohne Leid und Schmerz? Rein gedanklich könnte sie es – warum es nicht so ist, das bleibt ein Geheimnis.
Und mit Geheimnis ist nicht gemeint, sich aus einem „vernünftigen“ Antworten auf unser Fragen davon zu stehlen.
Es gibt einige Hinweise, die uns gedanklich einer Antwort auf die gestellten Fragen annähern. Wir können sie nicht lösen wie eine Mathematik-Aufgabe. Und den Betroffenen in ihrem Leid helfen diese Antworten herzlich wenig. Aber uns können sie vielleicht etwas helfen, mit Gott klar zu kommen. Und auch mit den Antwortversuchen bleibt all das letztlich ein Geheimnis. Es kann nur in einer betenden Auseinandersetzung mit Gott und einer helfenden Auseinandersetzung mit dem Leid der Menschen seine eigentliche Antwort finden.
Früher nannte man den Menschen „Krone der Schöpfung“. Ich finde es besser zu sagen, dass die Schöpfung ihren inneren Sinn im Menschen hat. Der Mensch als Teil der Schöpfung hat eine gewisse Freiheit. Somit ist auch die Schöpfung als ganze irgendwie von Freiheit her zu denken. Natürlich hat die Schöpfung keinen freien Willen, aber sie ist nicht einfach starr festgelegt; sie ist kein System von Dominosteinen, die nacheinander purzeln, wenn der erste Stein umgefallen ist. Es gibt überraschende Entwicklungen und Sprünge in der Weiterentwicklung der Welt. Es ist eine Welt im Werden, eine dynamische und nicht festgelegte Welt. Eine Welt mit Naturschönheiten, die uns faszinieren, und mit Erdbeben, die uns erschrecken und die zerstören. Der Sinn der gesamten Schöpfung ist von daher auch nichts Starres, Festgelegtes, sondern dieser Sinn entspringt unserer Antwort auf die jeweilige Situation. Gott hat uns in seinen Plan mit der Welt ausdrücklich einbezogen; uns Menschen mit unserer Freiheit, Gutes zu tun, verantwortlich zu planen und zu handeln, auf Notlagen zu reagieren.
Ein Beispiel dafür können wir im heutigen Evangelium sehen. Jesus sagt in der Synagoge seiner Heimatstadt (Lk 4,18): „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze …“
Diese Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja hat Jesus ausdrücklich auf sich bezogen. Er sagt: HEUTE hat sich das erfüllt. Dürfen wir – und müssen wir – nicht ähnlich das heutige Evangelium aufgreifen und sagen: Wenn wir der Leib Jesu Christi sind in dieser Welt, dann gilt dieses Wort auch für uns. Auch wir sind als Christen berufen, „Zerschlagene in Freiheit zu setzen“, Armen die gute Nachricht bringen, dass sie von uns Hilfe erwarten können und dass sie nicht „von Gott und aller Welt verlassen“ sind. Die gute Nachricht an die Armen in Haiti und überhaupt ist zunächst die, dass sie für Gott ganz wichtig sind, dass sie nicht die Überflüssigen, Lästigen der Gesellschaft sind, die am besten vergessen und abgeschoben werden.
Und dennoch werden sich viele von Gott verlassen fühlen in solch einer Not und so unermesslichem Elend. Und darum ist ein Teil der Antwort Gottes, dass er in Jesus Christus all das an sich selbst herangelassen hat. In Jesus schreit Gott selbst am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Auch das gehört zum HEUTE Gottes. Unser Leben heute bewegt Gott so wie uns. Und er will uns bewegen, dass wir – wie Jesus – auf Leid und Not mit der verwandelndenKraft der Liebe antworten; einer Liebe, die mehr ist als Gefühl. Die Geschichte mit Gott ist kein Märchen aus alten Zeiten und für kleine Kinder und solche, die nicht denken können. Die Geschichte Gottes mit uns Menschen ereignet sich immer im Jetzt, im HEUTE. In uns, die wir antworten auf die Herausforderung dieses Tages und der Not der Menschen, mit denen wir uns verbunden wissen.
Klaus Honermann
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Predigt am 17.01.2010
„So tat Jesus sein erstes Zeichen“ – mit diesen Worten fasste der Evangelist Johannes seinen Bericht über die Geschehnisse bei der Hochzeit in Kana zusammen. Jesus hatte viel Wasser in viel Wein verwandelt. Ob wir Jesus, ob wir Gott auch heute um ein Wunder, ein Zeichen bitten dürfen? Mein Vorschlag: Bitten wir ihn, bestürmen wir ihn um ein Wunder, ein Zeichen für Haiti, dieses schwer geprüfte Nachbarland der Dominikanischen Republik, für die fast völlig zerstörte Hauptstadt Port au Prince, ein paar Steinwürfe entfernt von San Cristobal, unserer Partnergemeinde. Pastor Honermann schreibt aus seinem Exerzitienort: Das schreckliche Beben von Haiti hat nicht nur die Erde erschüttert, sondern auch uns. Wir fragen uns: Wie kann das geschehen, wenn Gottes Schöpfung in sich gut ist. Im Letzten bleibt es ein Geheimnis. Ein Hinweis kann das Stichwort „Freiheit“ sein. Gott hat die Schöpfung nicht als fertiges Endprodukt geschaffen, sondern als eine Welt im Werden. Dabei zählt er auf unsere Mitwirkung. Wir sind herausgefordert, mit unserer Solidarität und Hilfe darauf zu antworten. Zudem hat er das Leid und den Verlust in Jesus am Kreuz auf sich genommen und mit uns geteilt. Diese Katastrophe, so nah an San Cristobal, kann nicht ohne Auswirkungen auf unsere Freunde dort, auf die Menschen auch in der Dominikanischen Republik bleiben. Pater Miguel Angel schreibt uns über das Internet: Es ist wahr, die Informationen über die Tragödie im benachbarten Haiti sind schrecklich. Es ist nicht möglich die Zahl der Toten zu schätzen. Das Rote Kreuz spricht von 45-50 000. Es ist unmöglich, die Obdachlosen zu zählen, und das wird die Zahl der Toten noch erhöhen. Man schätzt, dass 30 % der Bevölkerung der Hauptstadt Port au Prince ihre Häuser verloren hat, und Analysten sprechen davon, dass die einzig sinnvolle Lösung ist, die Hauptstadt ganz abzureißen und die Stadt ganz neu aufzubauen. Bei uns hier in der Dominikanischen Republik, schreibt Pater Miguel Angel, gab es viel Angst, als das Erdbeben war, vor allem geriet die Bevölkerung in Panik, als ein möglicher Tsunami angekündigt wurde. Gott sei Dank haben die leichteren Nachbeben den Tsunami beseitigt.
Wir hier versuchen, Hilfe für die Bevölkerung zu kanalisieren. Unser Dispensario (die Gesundheitsstation der Pfarrgemeinde) wird morgen einige Kisten mit Verbandmaterial auf den Weg bringen; auch Medikamente, die wir mit eurer Hilfe über Frau Dr. Lessmann und die Aktion Medeor bekommen haben. Die große Gefahr ist im Moment, dass die sozialen Strukturen in Haiti derart zerstört sind, dass es keine Garantie gibt, dass die Hilfen gerecht an die Notleidenden verteilt werden können. Auf jeden Fall hat dieses bewegende Ereignis in unserem Land ein sehr positives Verantwortungsbewusstsein geweckt. Wir wissen, dass dieses Erdbeben auch in der Dominikanischen Republik hätte passieren können und dass wir dann die Opfer wären. Ich glaube, dass das den Menschen hier sehr bewusst ist und ihre Hilfsbereitschaft weckt.
Lass uns beten für die Opfer und mit Erschütterung Anteil nehmen an dem Schmerz der haitianischen Bevölkerung. Hier ist die Furcht groß, dass eine gewaltige Fluchtwelle aus Haiti in die Dominikanische Republik einsetzt. Unsere Regierung hat schon angekündigt, dass sie einer solchen Flut an Flüchtlingen nicht gewachsen ist. Die Situation ist chaotisch. Heute wurde sogar bekannt, dass der Präsident von Haiti, Rene Preval, seinen Amtssitz hierhin in die Dominikanische Republik verlegen will, bis die erste Not beseitigt ist. Ich finde, das wäre wirklich ein schlechtes Signal: der Hirt, der um seines eigenen Wohlergehens seine Herde verlässt, die in Gefahr ist.
In einem zweiten E-mail einen Tag später schreibt Pater Miguel Angel:
Ich komme gerade zurück aus der Zentrale der Jesuiten für die Haitianischen Flüchtlinge (die die Hilfen aus den Gemeinden der Dominikanischen Republik koordiniert). Wir haben in 2 Fahrten mit unserem Pickup viel medizinisches Material und Medikamente dorthin gebracht. In unserem Begleitbrief haben wir darauf hingewiesen, dass unsere Solidarität sich vereint mit der Solidarität der Pfarrgemeinde St. Ludgerus, Schermbeck. Diese gemeinsame Aktion hat dort große Freude ausgelöst.
In den nächsten Tagen werden wir eine Gemeindekollekte abhalten, zusammen mit der Katholischen Kirche der DR. Dieses Geld werden wir der Caritas zur Verfügung stellen, damit sie Lebensmittel und andere Hilfsmittel für die Bevölkerung kaufen kann.
Soweit die Informationen und Eindrücke aus nächster Nähe. Sie bringen sicher nichts Neues über das hinaus, was wir jeden Tag im Fernsehen sehen können. Aber das unmittelbare Erleben, die unmittelbare Nähe des Schreckens zu unseren Freunden und damit zu uns selbst geben noch mal eine andere Dimension der Wahrnehmung. Ich mag mir nicht vorstellen, dass dieses Erdbeben nur 200 km weiter östlich geschehen wäre.
Wie können wir den Menschen in Haiti helfen? Im Augenblick sieht es tatsächlich so aus, dass Pater Miguel Angel recht hat mit dem Hinweis, dass Hilfe nicht sicher bei den Opfern ankommt. Aber sicher ist auch, dass es ein „Nach dem Beben“ geben wird, in dem viel Geld für den Wiederaufbau, nicht nur der Gebäude und der Infrastruktur benötigt wird, sondern auch für das Gesundheitswesen, das Schul- und Bildungswesen und letztlich auch für den Wiederaufbau der kirchlichen Organisation in diesem mehrheitlich katholischen Land. Die Kathedrale und das Bischofshaus in der Hauptstadt sind total zerstört, der Erzbischof und 2 Bischöfe sind bislang noch nicht gefunden worden.
Wir können nur beten und spenden. Wir bitten Sie daher auch um Ihre Spende. Wir werden die Kollekten am kommenden Wochenende für die Haiti-Hilfe der Katholischen Kirche Deutschlands zur Verfügung stellen. Gerne können Sie auch Einzelspenden im Pfarrhaus abgeben oder – mit dem Stichwort: Haiti - überweisen: Sie finden die Kontonummer auf dem Mitteilungsblättchen.
In jedem Fall können und sollten wir beten, beten um ein Zeichen oder Wunder Gottes und sei es nur, dass er denen, die es am dringendsten benötigen, seinen Trost und Beistand gibt. Amen.
Ekkehard Liesmann, Diakon
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Pregigt am 10.01.2010 Der Himmel öffnet sich – Taufe Jesu
Vor einigen Tagen wurde in Dubai das höchste Gebäude der Welt mit über 800 Metern eingeweiht – 100 km weit sichtbar. Der Turmbau zu Babel – endlich Wirklichkeit geworden – oder?
Ehemalige Rekord-Wolkenkratzer nehmen sich dagegen geradezu klein aus. Über 800 Meter! Können Sie sich das vorstellen? Da wird wirklich an den Wolken gekratzt, aber nicht am Himmel!
Ich kann und möchte die Rekordleistungen gar nicht erst alle aufzählen, welche dabei verwirklicht wurden. Nur so viel: 12000 Menschen sollen in dem Gebäude mit u.a. 900 Luxuswohnungen leben und arbeiten. Ganz Schermbeck in einem Gebäude!
Was ist das: menschlich-technische Superleistung oder Größenwahn? Vielleicht beides? Wie dem auch sei – es ist ein Wolkenkratzer und kein Himmelstor. Da hat sich nicht der Himmel geöffnet, sondern das Konto von Superreichen, welche für Reiche bauen wollten und damit noch reicher und berühmter werden wollten. Ein Riesenspektakel bei der Eröffnung. In der Wüste ganz hoch hinaus.
Und da kommt – gar nicht so weit davon entfernt – vor rund 2000 Jahren ein Mensch aus der Wüste, reiht sich ein in die Gruppe von Leuten, welche sich um einen Mann scharen, der sie in ärmlichster Kleidung zu einem neuen Leben auffordert. Gar nicht spektakulär. Keine 100 km weit sichtbar.
Und der, welcher sich einreiht in die Schar derer, die ihr Leben neu aufbauen wollen – zwar nicht mit dem Pioniergeist exzellenter Architekten, aber angerührt durch die begeisterte Rede des Täufers Johannes – dieser Mann, der aus der Wüste kommt, wo er sich vorbereitet hatte auf seinen Auftrag, er strebt nicht hoch hinaus, sondern geht ganz tief nach unten. Er taucht ein in das Wasser des Jordan und in die Geschichte aller Menschen. Er taucht ein in die Geschichte von Hochmut und Verzweiflung, in die Geschichte von Schwachheit und Täuschung, in die Geschichte von seelischer Dunkelheit und Gottesferne, in all das, was wir Sünde nennen.
Als Jesus sich von Johannes im Jordan taufen lässt und damit sein sog. „öffentliches Wirken“ beginnt – da beginnt etwas ungeheuer Neues. Es beginnt ohne Feuerwerk und Massenmedien. Es beginnt still und leise. Aber: der Himmel öffnet sich!
Nein kein Wolkenbruch! Es ist der Himmel gemeint, der mehr innen als außen ist. Die Lebenswelt Gottes öffnet sich.
Und wenn wir uns das Gegenteil vorstellen wollen, hilft es uns vielleicht, genauer zu erfassen, was damals geschah am Jordan; dem Fluss, wo heute anderen das Wasser abgegraben wird. Leider erfahren wir viel zu selten, dass sich der Himmel öffnet, und viel zu oft das Gegenteil. Wir nennen es „dicke Luft“ oder „Reformstau“ oder „die bleiernen Jahre“.
Aber ist dieser Jesus nicht genau deshalb hinabgestiegen – in diese graue Wirklichkeit, in dieses tiefe Unten, was gar nicht so selten dadurch hervorgerufen wird, dass manche zu hoch hinaus wollen, koste es, was es wolle?
Und als Jesus das tat, als er getauft wurde, der nicht gereinigt werden brauchte, weil er
eben nicht „mit allen Wassern gewaschen war“, sondern nur mit heiligem Geist erfüllt war, da öffnete sich der Himmel. Und der Vater im Himmel verkündet ein für alle Mal, für uns heute und für die Menschen in Dubai, dass er es toll findet, was Jesus da tut; dass dieser Mensch unter Menschen sein über alles geliebter Sohn ist.
Da hat einer nicht an Wolken gekratzt, aber am Herzen des himmlischen Vaters gerührt. Wenn Sie mich fragen, wie ich darauf komme – das steht da doch im Evangelium. Nun gut, mit etwas anderen Worten. Da steht: „Und während er betete, öffnete sich der Himmel.“
Wir haben alle schon gemerkt, wie gut es uns gut, wenn nach grauen Tagen voller Wolken die Sonne sich wieder zeigt. Wenn schon das Öffnen des äußeren Himmels eine solche Wirkung hat, wie viel mehr dann, wenn der Himmel unseres Herzens offen wird: für Gott, für uns selbst und für einander. Im Beten kann dies geschehen. Bei Jesus ist es geschehen. Ständig. Er war ständig mit Gott, seinem himmlischen Vater, im Gespräch. In und durch Jesus öffnet sich für uns der Himmel.
Das Fest der Taufe Jesu lädt uns ein, uns unsere eigene Taufe jeden Tag neu ins Gedächtnis, d.h. ins Leben zu rufen, indem wir eintreten ins Gespräch mit Gott.
Jeder Tag, an dem wir uns erinnern: „ich bin ein geliebtes Kind Gottes; Gott sagt auch zu mir ‚geliebter Sohn, und ‚geliebte Tochter‘ “, jeder Tag, den wir so beginnen, ist ein Tag mit einem offenen Himmel.
Wir brauchen nicht an Wolken kratzen, aber mit Jesus am offenen Herzen Gottes rühren, am Himmel unter uns.
Klaus Honermann
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PREDIGT ZUM KILIANFEST (12.07.2009):
„Sie machten sich auf den Weg.“
Wenn der Oberst den Befehl gibt, dann marschieren alle Schützen los. Dann fängt die Parade an oder der Marsch zur Vogelstange. Ich bin natürlich nicht Oberst. Wenn ich es wäre, würde ich jetzt vielleicht sagen: „Herzen auf zum Nachsinnen!“ Oder so ähnlich.
Sozusagen ein geistlicher Marschbefehl. Im Evangelium haben wir vorhin ebenfalls eine Art Marschbefehl gehört – auch wenn es nichts mit dem Vogelschießen zu tun hatte: „Jesus rief die Zwölf (Apostel) zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.“ (Mk 6,7) Danach wird aufgezählt, was sie zu tun haben. Dann heißt es ganz schlicht: „Sie machten sich auf den Weg.“
Auch wir haben uns auf den Weg gemacht, um mit einander Gottesdienst zu feiern, um dem Kilianfest seinen richtigen Anfang zu geben. Denn wo sollte etwas anfangen, das gut ist, wenn nicht bei dem, welcher Der Gute und Der Anfang schlechthin ist, bei Gott.
Wir tun dies sicher aus guter Gewohnheit – aber besser eine gute Gewohnheit als eine schlechte. Wir können allerdings mehr daraus machen. Wir könnten uns hier und jetzt dazu entschließen, das Schützenfest nicht nur traditionell im Namen Kilians zu feiern, sondern ganz bewusst im Namen Jesu Christi.
Sie fragen sich vielleicht: Wie soll das denn gehen? Na ja, indem wir jetzt unseren inneren Marschbefehl von dem erhalten, der nicht nur seine 12 Apostel mit einem Auftrag losschickte, sondern der auch uns als seine Boten senden will in unsere Welt, in dieses Fest.
Dazu können wir uns zunächst einmal anschauen, mit welchem Auftrag die Freunde Jesu sich auf den Weg machten.
Sie sollen zunächst „unreine Geister austreiben“. Das hört sich fast nach etwas gruseligen Filmen an wie „Der Exorzist“. Aber was sind den „unreine Geister“? Das sind geistige Kräfte, die unser Denken und Leben beschmutzen: wie z.B. Korruption, Doping im Sport, Verletzung und Zerstörung von Beziehungen…
Dann hieß es, die Jünger sollten „außer einem Wanderstab nichts mit auf den Weg“ nehmen. Nun denn, wenn wir heute den Wanderstab umdeuten in das Holzgewehr, dann hätten wir einen Bezug. Er wäre aber nicht für die weiteren Tage sinnvoll. Oder gehen Sie im Laufe des Jahres mit dem Holzgewehr durch die Mittelstraße!
Was ist mit dieser Anweisung gemeint? Außerhalb der Städte konnte man sich mit dem Stab im Bergland von Judäa zu damaliger Zeit schützen, z.b. vor Wölfen. Außer diesem notwendigen Schutz also keine weiteren Absicherungen. Also keine Haftpflichtversicherung etwa? Das wäre heutzutage sehr leichtsinnig. Dennoch können und sollten wir uns die Frage stellen, ob wir unser Leben als Ganzes versichern, absichern können vor Unglück. Ob es nicht eine Einstellung gibt, die statt Totalversicherung auf allen Ebenen aus einem Grundvertrauen in Gott und Menschen lebt. Es ist eine Einstellung, welche mit überraschenden Begegnungen und Hilfestellungen rechnet, welche wir nicht einfordern, aber für die wir uns öffnen können.
Ein anderer „Marschbefehl“ Jesu ist recht interessant. Er sagt: „Wenn man euch in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von den Füßen.“
Für mich heißt das übersetzt: wir können Zeit und Kraft sparen, indem wir uns nicht auf unergiebige Diskussionen einlassen. Den Konflikt zwar nicht scheuen, aber auch nicht unbedingt Recht behalten wollen. Vielleicht sind unsere Anregungen an anderer Stelle ja gern gesehen.
Der Evangelist Matthäus fügt in seiner Version des Evangeliums einen Satz hinzu, der auch für uns heute wichtig sein kann: „Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.“
Das Haus in den Tagen des Kilian ist das Festzelt. Wenn wir also ins Festzelt kommen, dann werden wir statt Prost wohl kaum SHALOM sagen, aber dafür zu sorgen, dass Friede sich ausbreitet, ist besonders bei fortgeschrittener Zeit vielleicht keine so nebensächliche Aufgabe. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass – wie in einem Nachbarort – mitten beim Feiern die Polizei erscheint, aber wir wissen nie, ob es nicht irgendeine Auseinandersetzung gibt, bei der wir beruhigend eingreifen können.
„Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden.“ Das kann auch durch Zuwinken bei der Parade z.B. am Marienheim passieren.
Ich wünsche uns allen und dem Kilianfest, dass es viele Menschen in Freude zu einander führt. Ich wünsche uns allen SHALOM – denn das meint mehr als Waffenstillstand in Jerusalem und Kundus. In Kundus wird heute bestimmt nicht Kilian gefeiert. Unsere Soldaten in Afghanistan haben nicht spielerisch ein Holzgewehr in der Hand, sondern müssen sich oft genug ihr Leben verteidigen und kommen nicht selten nicht seelischen Verletzungen zurück. Ob sich das jetzt Krieg nennt oder nicht – ist völlig zweitrangig. Entscheidend ist, dass Soldaten ihr Leben riskieren, weil es Terror gibt und Bombenattentate.
So wollen wir sie nicht vergessen. Das, was heute ein Volksfest mit spielerischem Charakter, hat als Bürgerwehr begonnen. Die tödlichen Auseinandersetzungen in der Welt wollen wir nicht ausblenden, wenn wir bei unserem Fest das Leben feiern. Wenn nachher der Opfer der Weltkriege gedacht wird, so können wir heute auch an die gefallenen Soldaten von Afghanistan denken und ihre Familien.
SHALOM - das meint auch Lebensfreude in Schermbeck. Machen wir uns auf den Weg im Namen dessen, der Freud und Leid mit den Menschen geteilt hat; im Namen Jesu Christi, der sich freut, wenn Menschen sich auf einander zu bewegen: in Jerusalem, Kundus und Schermbeck. Amen.
Klaus Honermann
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Predigt am 10.05.2009
125 Jahre Löschzug Altschermbeck
Liebe Kameraden des Löschzuges Altschermbeck; Liebe Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr; Liebe Schwestern und Brüder im Glauben;
125 Jahre Löschzug Feuerwehr Altschermbeck.
Was und wie soll ich predigen? Bei der geistlichen Vorbereitung auf dieser Predigt bat ich um den Beistand des heiligen Geistes.
Dann führte mich ein Gang in unsere Feuerwache. Ich suchte nach Impulsen und Klärung der Frage: Welcher Geist und welche Bedingungen haben unseren Löschzug seit 125 Jahren geprägt?
1. Geräte und Fahrzeuge Ich bestaunte das topmoderne HLF 20/16 und erinnerte mich an das Bild der alten DKW-Pumpe in der Zeitung und dass erst 1959 als erstes Fahrzeug ein VW Bully zur Verfügung stand.
2. Gebäude Heute: unsere Wache, randvoll mit moderner Technik und guter Ausrüstung - damals 1893/94 das erste Spritzenhäuschen; 1948 der Umbau von Schultoiletten und einem Stall zum Spritzenhaus.
3. Menschen: Lange habe ich mir die Bilder und Fotographien in der Wache angeschaut: Mitglieder der Feuerwehr Altschermbeck bei Arbeiten- die einen mit Blickkontakt zum Betrachter, die anderen mehr auf ihre Arbeit konzentriert als wollten sie mir sagen: „Und du, hast du eigentlich nichts zu tun?“.
Vor 125 Jahren: Freiwillige aus der Bürgerschaft und aus dem 1891 gegründeten Kriegerverein; nach dem 2. Weltkrieg: Zuwachs durch den Bereitschaftsdienst der Schülerschaft. Und heute: Ein Team und wichtiger Bestandteil eines überregionalen Rettungswesens mit vielfältigen Aufgaben.
Aber der Begriff „ Rettungswesen“ beschreibt nur ungenau die Verantwortung und die vielfältigen Aufgaben, die ihr in der Feuerwehr heute erfüllen müsst. Das Motto der Feuerwehr: retten- löschen- bergen- schützen drückt viel konkreter aus, worum es eigentlich geht: Dienst am Menschen, vor allem dem bedrohten, Hilfe - bedürftigen, in seiner Existenz gefährdeten Menschen.
Hilfe: Damals mit viel Muskelkraft, Lebenserfahrung und geringen technischen Möglichkeiten.
Heute mehr mit modernen Methoden der Brandbekämpfung, Technik und der ständigen Bereitschaft zur Professionalisierung und Fortbildung.
Aber seit ich selbst an den Fortbildungen am Institut der Feuerwehr teilnehme, sehe ich trotz fortschreitender Technisierung die Orientierung am Menschen und seinen Bedürfnissen nach Sicherheit und Schutz noch deutlicher:
Verletzte retten, Tote bergen, Löschen und Schützen kommen zuletzt immer dem Menschen zu Gute. Nicht zuletzt deswegen sind Selbstverständnis und Ansehen der Feuerwehr in der Gesellschaft als grundsätzlich positiv und existentiell notwendig eingestuft. Ob Australien oder Aquila, Kalifornien oder Köln, radikale Situationen und Bilder sprechen für sich und für die Arbeit der Feuerwehr.
Der innere Kern, das Wesen, die Berufung der Feuerwehr ist überall gleich: hier geschieht Dienst des Menschen am Mitmenschen. Die Kirche prägt an dieser Stelle den Begriff: Diakonia.
Der bedrohte Mensch steht im Zentrum.
Das hat sich seit der Zeit Jesu nicht geändert. Damals wie heute bedarf es der Menschen, die mit Herz, Verstand und innerer Überzeugung Wege zur Rettung finden und biblisch gesprochen zum Heil beitragen. Erinnern wir uns noch einmal an das Evangelium, eine der bekanntesten Heilungserzählungen. Haben wir die Schilderung des Markus bewusst wahrgenommen?
Natürlich: Jesus heilt einen Gelähmten.
Es sind nur 4 Verse, doch dieses Mal aus einer anderen Perspektive:
„ Da brachte man einen Gelähmten zu ihm, der von 4 Männern getragen wurde. Weil sie ihn aber wegen der Volksmenge nicht bis zu Jesus bringen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab und ließen den Gelähmten auf seiner Tragbahre durch die Öffnung hinab.
Als Jesus ihren Glauben sah, sagte er zu dem Gelähmten: „ Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“
Diese 4 Männer bringen sich ganz unspektakulär und uneigennützig ein. Sie ermöglichen ein Wunder. Sie stellen ihre Möglichkeiten, ihren Ideenreichtum, ihre Muskelkraft und vor allem ihren Glauben in den Dienst des schwachen Menschen. Sie sorgen dafür, dass aus der „ Bahre“ wirklich eine „ Trage“ wird, die der Geheilte mit nach Hause nehmen kann.
Auch der Dienst der Feuerwehr vollzieht sich sehr oft in der Stille, zwar vor aller Augen, kaum wahrgenommen, aber entscheidend, wie hier im Evangelium. Denken wir an die stillen Dienste: Begehungen von Rettungswegen, Kontrollen von Brandschutzeinrichtungen, Nachtwachen, Gerätewartungen und Bereitschaftsdienste (Seile und Trage müssen schließlich auf den Punkt vorbereitet sein ). Die Feuerwehrleute im antiken Rom nannte man schlichtweg „ Vigiles“ – Nachtwachen. Und auch jetzt, während wir hier feiern, haben die beiden anderen Wachen in Schermbeck und Gahlen den Bereitschaftsdienst übernommen, um unsere Sicherheit zu gewährleisten.
Den stillen Diensten stehen Einsätze bei Unfällen und Katastrophen gegenüber, in denen unsere Gesellschaft ihre ganze Hoffnung auf die Feuerwehr setzt. Die Bilder aus den Medien über Katastrophen der jüngsten Vergangenheit im In- und Ausland sprechen für sich: die Feuerwehrfrau, der Feuerwehrmann werden zum Hoffnungsträger schlechthin. Wo sie im Einsatz sind, vermitteln sie bei schwierigsten Situationen, dass die Lage beherrscht wird, modernste Technik zur Verfügung steht und die Menschen sich sicher fühlen dürfen:
- Feuerwehr - Das Kompetenzteam -
Und wie steht es um die Feuerwehrfrau, den Feuerwehrmann?
Mit welchen Gedanken und Gefühlen gehen die Menschen im Löschzug Altschermbeck seit 125 Jahren - und nicht nur hier - in den nächsten Einsatz? Vor allem:
Mit persönlichen Stärken - aber auch menschlichen Schwächen; vor allem mit der Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist - aber auch mit der Erfahrung, dass alles menschliche Bemühen sehr schnell an Grenzen stößt; mit der Erinnerung an den letzten gelungenen Einsatz - aber auch mit traumatischen Erlebnissen und Bildern; vor allem mit dem Willen, alles Menschenmögliche zu tun - aber auch mit den Folgen einer verschleppten Grippe; vor allem mit ungezählten Stunden auf Übungen und Einsätzen - aber auch mit der bangen Frage: Wie lange macht meine Familie das noch mit?
Vor allem mit Glauben - aber auch mit Selbstzweifeln.
Vor allem mit Glauben: Bei meinem Gang durch unsere Wache fand ich aber noch mehr: Zeichen des Glaubens.
„Gott zur Ehr“. Der Zweite Teil des Spruches ist im Bild dargestellt: „ Dem Nächsten zur Wehr“. Hier findet der Glaube der Träger aus dem Evangelium seine Fortsetzung. Ob einen Gelähmten durch ein Hausdach hinunterlassen, weil ich auf Jesus hoffe oder retten – löschen – bergen - schützen: Dieser Dienst am Nächsten erwächst aus der Beziehung zu Gott, die an erster Stelle steht und Vorraussetzung dieses Dienstes ist. Wer Gott die Ehre gibt, darf sich selbst wiederum getragen wissen, wenn er im Einsatz für den Nächsten steht und sich allen möglichen Gefahren aussetzt.
Wir, die Gemeinde St. Ludgerus und ganz Schermbeck dürfen in dieser heiligen Messe Gott für das Geschenk dieses Dienstes, den die Feuerwehr seit 125 Jahren leistet, danken.
Es gibt sicher viele, ehrliche und bewusste Gründe, in dieser Feuerwehr seinen Dienst zu verrichten: Das Bedürfnis, etwas für Menschen zu tun, die Einsicht, dass eine gesellschaftlich notwendige Aufgaben zu erfüllen ist; die Verbundenheit mit der Heimat und dem Lebensort Schermbeck; Kameradschaftssinn; wertvolle Motive für einen guten Dienst.
Wer jedoch aus dem Wunsch heraus dem nächsten und damit Gott dienen zu wollen in der Feuerwehr Aufgaben übernimmt, geht noch weiter: Wenn er rettet, löscht, birgt, schützt, macht er sich zuletzt in Gott fest und tritt in die Nachfolge Jesu ein, wie viele Kameradinnen und Kameraden, die das Motto „ Gott zur Ehr - dem Nächstem zur Wehr“ als inneren Leitfaden ihre Lebens anerkennen.
Um solche Berufungen lasst uns jetzt bitten. Amen.
Diakon und Feuerwehrseelsorger Karl Hasslinghaus
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